Konzertandacht Martin Luther King am 29.02.2020

Im Spätsommer des letzten Jahres erfuhren wir im Gospelchor, dass die Creative Kirche in 2020 ein neues Chormusical herausbringen wollte: Diesmal ging es um den Pastor, Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Dr. Martin Luther King, der der Sprecher der Menschen war, die sich in den Südstaaten der USA für Gleichberechtigung für schwarze und weiße Menschen einsetzte. Er hatte nicht viel Zeit dafür: Im Dezember 1955 begann er mit seinem Einsatz, im April 1968 wurde er im Alter von 39 Jahren ermordet.
Die Creative Kirche suchte Gospelchöre, die bei diesem Musical mitsingen wollten. Wir wollten das gern, unser Chorleiter Jürgen Begemann meldete uns an. Wir bekamen die Übungshefte und begannen, die Lieder zu lernen und uns in die Zeit hineinzuversetzen, in der das Musical spielt. Da passierte etwas mit uns. Wir erfuhren von der alltäglichen rassistischen Gewalt, der die Schwarzen ausgesetzt waren: Völlige Rassentrennung, keine Gerechtigkeit vor den Gerichten, ständige Beleidigungen und Demütigungen. Der Kampf für die Gleichberechtigung führte zu noch mehr Gewalt, der Ku-Klux-Klan überfiel, misshandelte und ermordete Schwarze und die Weißen, die für die Gleichberechtigung der Rassen kämpften. Martin Luther King selbst wurde mehrfach verhaftet und überlebte vor seiner Ermordung mehrere Mordanschläge. Sogar Kinder kamen ums Leben – Anteilnahme gab es nicht von den örtlichen Politikern. Die Bürgerrechtler müssen Hass und Erbitterung empfunden haben bei diesen krassen Ungerechtigkeiten. Wie reagierten sie?
Mit Gewaltlosigkeit. Sie ließen sich nicht einschüchtern, sie führten ihren Kampf, aber sie blieben gewaltlos. Sie beteten für die Freiheit, sogar für ihre Feinde. Keine Haft, keine Gewalttat, keine Ungerechtigkeit hielten sie davon ab, sich weiter gewaltlos für ihre Rechte einzusetzen. Davon handelt das Musical. Von der enormen Kraft, die Menschen entwickeln können, wenn sie gemeinsam im Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit für die Gerechtigkeit auf der Erde kämpfen.
Die Bewegung erreichte viele Ziele: Die Rassentrennung wurde verboten, die Schikanen bei der Eintragung in die Wählerlisten für Farbige hörten auf. Das große Ziel, die Gleichwertigkeit aller Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, gesellschaftlicher Stellung ist noch nicht erreicht worden. Der Weg dahin scheint weit und schwer zu sein. Aber es lohnt sich, ihn zu gehen.
Die Geschichte der schwarzen Bürgerrechtsbewegung faszinierte uns so, dass uns die Teilnahme am Musical nicht reichte. Auf Jürgen Begemanns Vorschlag hin beschlossen wir, eine eigene Konzertandacht für die Gemeinde anzubieten, in der wir besondere Ereignisse in der Geschichte der Bürgerrechtsbewegung darstellten und mit den Liedern des Musicals umrahmten. Wir waren gespannt, wie viele Menschen daran wohl Interesse haben würden.
Und dann war die Kirche voll! Die Begeisterung an der Bürgerrechtsbewegung übertrug sich auf die Gemeinde, und gemeinsam reisten wir alle durch diese spannende Zeit. Wir bedanken uns bei den Teilnehmern der Konzertandacht für ihr Mitgehen, ihre Unterstützung. Es war schön mit euch! Gemeinsam haben wir erlebt, dass die gewaltlose Bewegung immer noch Mut und Hoffnung schenken kann für die Probleme unserer Zeit. Mit diesem Gefühl gingen wir auseinander.
Irmgard Schulz