Beitragsarchiv

6.5.2021

Andacht Rogate am 9. Mai

Andacht zu Daniel 9, 4-5+16-19 am Rogate-Sonntag, den 09.05.2021

4 Ich betete aber zu dem HERRN, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! 5 Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen…….. 16 Ach, Herr, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berg. Denn wegen unserer Sünden und wegen der Missetaten unserer Väter trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her wohnen. 17 Und nun, unser Gott, höre das Gebet deines Knechtes und sein Flehen. Lass leuchten dein Angesicht über dein zerstörtes Heiligtum um deinetwillen, Herr! 18 Neige deine Ohren, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. 19 Ach, Herr, höre! Ach, Herr, sei gnädig! Ach, Herr, merk auf und handle! Säume nicht – um deinetwillen, mein Gott! Denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt.

Liebe Leserinnen und Leser!

Wenn jemand sein Geld schlecht verwaltet und seine Miete und anderen Kosten nicht mehr bezahlen kann, wird er oder sie obdachlos. Dann sagt man „Selberschuld“. Wenn ein Kind an einer unheilbaren Krankheit leidet, sagt man „das ist Schicksal“. Im Geflecht von Schicksal und Schuld, das einen Menschen am Ende in eine sehr schwierige Situation bringen kann, lässt sich das Knäuel des Lebensfadens vermutlich ohnehin nicht mehr entwirren. Möglicherweise fragt man sich: War es das Schicksal, was mich hierhergebracht hat, oder war es meine eigene Schuld? Oder eine Mischung aus beidem? In unserem Predigttext aus dem Buch Daniel im 9. Kapitel ist die Rede von Schuld und Schicksal.  Der Verfasser erzählt eine Geschichte einer Katastrophe, die die Israeliten erlebt haben und über die Lösung ihres Problems. Im zweiten Jahrhundert zerstörte der griechische Herrscher Antiochus IV die Stadt Jerusalem, plünderte den Tempel und entweihte ihn durch Zeus Statue. Die Israeliten, die das erlebt haben, fragten: Ist das unsere Sünde oder unser Schicksal? Da antwortet der Verfasser und sagt: Die Sünde des Volkes zerstörte ihre Beziehung zu Gott und untereinander.  Um ihre Gemeinschaft mit Gott und untereinander wiederherzustellen, müssen alle sich auf Gott verlassen und ihn anbeten. Der Prophet Daniel selbst betet mit folgenden Worten und sagt: „neige unser Gott dein Ohr und höre unsere Gebete. Offene deine Augen und sieh unsere Verwüstung und Stadt, über der dein Name ausgerufen ist. Wir bringen unsere Gebete vor dir nicht wegen unserer gerechten Taten, sondern wegen deiner großen Barmherzigkeit“

Die Kernaussage in diesem Gebet lautet: „Wir vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit“.  Nun kann man viel über das Gebet sprechen und immer wieder betonen, wie gut das ist. Wie gut es einem auch selber tut; wie wichtig es für die Beziehung zu Gott ist. Das nutzt aber nichts, wenn man nicht betet. Jeder Mensch soll wahrnehmen was sie/ihn bewegt. Sie oder er soll sich fragen: Was belastet mich? Worüber bin ich glücklich? Solche Wahrnehmung des eigenen Lebens ist der erste Schritt zu einem Gebet. Solch ein Gebet braucht keine Worte.

Durch ein solches Gebet können wir den Kontakt zu einem Menschen oder zu Gott halten, damit es einen Anker gibt, wenn alles andere sich gegen einen zu verschwören scheint. Der Ankerpunkt oder der wichtigste Satz aus dem Text lautet: „Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“

Diese Barmherzigkeit wünsche ich uns allen, wenn wir es brauchen. Auch wünsche ich unserer Welt, dass wir diese Barmherzigkeit Gottes weitergeben können an diejenigen, die Sie brauchen: für Obdachlose, für die von schwerer Krankheit leidenden, für die von Schuld beladenden oder von geistlicher Krankheit betroffenen. Gottes Barmherzigkeit ist viel großer als alle Ungerechtigkeit der Welt. Gott helfe uns allen immer wieder die Sehnsucht nach Gottes Barmherzigkeit zu suchen. Gott gebe uns Worte und Wille damit wir in der Gemeinschaft mit ihm und mit anderen Menschen leben können. Amen!

Ihr Pastor Benti

Psalm 95:1-7a   

Kommt, lasst uns dem HERRN zujubeln! Wir wollen ihn preisen, den Fels, bei dem wir Rettung finden! Lasst uns dankbar zu ihm kommen und ihn mit fröhlichen Liedern besingen! Denn der HERR ist ein gewaltiger Gott, der große König über alle Götter! In seiner Hand liegt alles – von den Tiefen der Erde bis hin zu den Gipfeln der höchsten Berge. Ihm gehört das Meer, er hat es ja gemacht, und seine Hände haben das Festland geformt. Kommt, wir wollen ihn anbeten und uns vor ihm beugen; lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer! Denn er ist unser Gott, und wir sind sein Volk. Er kümmert sich um uns wie ein Hirte, der seine Herde auf die Weide führt.

Fürbitten

Barmherziger Gott, wir schauen in unsere Welt und erkennen: Oft fehlen Liebe und Barmherzigkeit. So fragen wir uns manchmal: Haben Unrecht und Gewalt immer das letzte Wort?

Wir kommen mit unserem Gebet zu dir, weil wir dir in den Ohren liegen wollen mit vielem, was uns bewegt und bedrückt.

So bitten wir dich für die Flüchtenden in aller Welt. Hilf, dass die Mächtigen ihnen nicht mehr Gewalt antun, sondern ihnen sichere Orte zum Leben geben. Öffne unsere Herzen für die, die unsere Hilfe brauchen.

Wir bitten dich für alle, die politisch verfolgt werden. Hilf, dass ihre Botschaft gehört und respektiert wird. Hilf, dass Diktaturen ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Öffne unser Denken, dass wir offen werden für andere.

Wir denken an diejenigen, die unter uns krank sind und sich einsam fühlen. Hilf, dass sie die Hoffnung nicht verlieren und sich Geduld bewahren. Öffne unsere Herzen für die, die unsere Zuwendung brauchen.

Wir denken auch an uns selber, an unsere Familien und Freunde. So vieles bewegt uns in diesen Tagen. Stärke unseren Mut und lass nicht zu, dass wir uns oder andere aufgeben. Öffne unsere Sinne für Zeichen deiner Gegenwart.  So stärke uns, barmherziger Gott, an allen Orten, an denen wir leben.

4.5.2021

Online-Abendandacht am 7. Mai

22.4.2021

Andacht Jubilate am 25. April

22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.23Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.24Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.25Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.26Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen,27dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.28Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.29Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.30Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun.31Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.32Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören.33So ging Paulus weg aus ihrer Mitte.34Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen (Apostelgeschichte 17, 22-34).

Liebe/r Leserinnen und Leser,

In jeder Kultur gibt es eine Vorstellung von Gott. Weil niemand Gott sehen kann, versucht man in verschiedenen Kommunikationsmethoden Gott darzustellen, um dadurch an Gott heranzukommen. Einige erzählen Geschichten, Mythen, andere erstellen künstlerische Abbildungen und wieder andere haben Rituale wie Opfergabe und Gebete. Oft versteht man nur die Darstellung seiner eigenen Kultur und hat Vorurteile gegenüber der Darstellung der anderen Kulturen. – Missionare, die nach Afrika reisten, hatten ebenfalls Vorurteile gegenüber der Gottes Darstellung der afrikanischen Kulturen. Sie waren der Meinung, dass afrikanische Völker von dem „wahren Gott“ wenig Ahnung hatten weshalb sie die Darstellung und Rituale ihrer Kultur mitbrachten und als die richtige vorstellten. Oft wurden die afrikanischen Religionen als Hexerei beschrieben.  Solche Vorurteile waren und sind die Ursache für jegliche religiöse Konflikte der Welt. Um diesen Missverständnissen zu klären haben moderne Theologie- und Religionswissenschaftler geforscht und sich verständigt, dass Gott in jedem Volk und in jeder Kultur sich offenbart hat.

Das bestätigt der heutige Predigttext aus der Apostelgeschichte 17. Hier wird erzählt: Paulus kam während seiner 2. Missionsreise in Athen an, machte einen Stadtrundgang, sah verschiedene Ältere mit Bildern und Schriften der Götter des griechischen Volks. Auf einen Altar steht eine Schrift, die lautet: „Dem unbekannten Gott“. Für Paulus war diese Schrift ein Ausgangspunkt, um das Evangelium zu verkündigen. „Dem unbekannten Gott“ der Griechen verbindet er mit christlicher Lehre oder Christologie und sagt: „nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist…. Der unbekannte Gott ist der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind“.  Wir Menschen sind Gottesgeschlecht, aber wir meinen nicht die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

Dieser Gott hat einen Gerichtstag festgesetzt, um mit Gerechtigkeit durch seinen Sohn Jesus Christus alle Menschen zu richten. Aber bevor der Gerichtstag kommt, hat Gott den Glauben angeboten, indem er Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Diese Botschaft bedeutet für jede Frau und jeder Mann: ich komme an Gott heran, nicht durch eigene Anstrengungen, nicht durch meine Leistungen und Rituale, sondern allein durch den Glauben, allein dadurch, dass ich Jesus vertraue. Möge Gott uns einen festen Glauben geben, um uns auf ihn zu verlassen.                      Ihr Pastor Benti

20.4.2021

Online-Abendandacht am 23.4.

https://meet.jit.si/Epi-Abendandacht

16.4.2021

Andacht zum 18. April

Offene Kirche am Sonntag, Miserikordias Domini

(Bedeutung: Die Barmherzigkeit des Herrn)

Psalm 23:

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 Andacht

Die schlechten Hirten und der rechte Hirt

1 Und des Herrn Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 10 So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. 11 Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. 31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

(Hesekiel, 34, 1-2, 10-16,31)

Wem vertraue ich mich an? Wem gebe ich Macht über mich? Wer die Vertrauensfrage stellt, stellt die Machtfrage. Deutlich wird das etwa dann, wenn im Deutschen Bundestag der Kanzler oder die Kanzlerin die Vertrauensfrage stellt. Hat er oder sie genug Parlamentarier hinter sich, bleibt er oder sie im Amt; wenn nicht, geht die Macht verloren. Wer die Vertrauensfrage stellt, stellt die Machtfrage.

Das gilt nicht nur in der Politik. Wem ich vertraue, dem öffne ich mich. Manchmal sagt jemand vielleicht: „Ich lege mein Schicksal in Ihre Hände!“ Und blickt auf den Arzt, von dessen Heilkunst sein Leben abhängt. Das Vertrauen, das ich jemandem entgegenbringe, kann aber auch missbraucht werden. Davon handelt der Anfang der Worte des Propheten Hesekiels: „Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden!“ Getadelt werden da jene Regierenden im alten Israel, die nur auf sich selbst, nicht aber auf das Volk geachtet haben. Diese falschen Hirten werden heftig kritisiert, weil sie mit der Behauptung, sie seien gute Hirten, das Volk ins Verderben geführt haben.

Die Lebenswelt von Hirten und Herde ist heute fern gerückt. Sie taucht eher zufällig auf, wenn jemand einer Schafherde auf der Wanderschaft begegnet. Auch lässt sich kaum jemand gerne als „lammfromm“ und „dumm wie ein Schaf“ bezeichnen. Und doch hat das Bild vom guten Hirten, der achtsam mit seiner Herde umgeht und sie auf eine „grüne Aue“ und „zu frischem Wasser“ führt, etwas ungemein Anziehendes. Sehnsucht nach Geborgenheit wird angerührt: „Ich möcht, dass einer mit mir geht, der’s Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Ich möcht, dass einer mit mir geht.“ (EG 209,1.) Der 23. Psalm fasst das anrührend in Worte: „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.“ „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“

Wer die Vertrauensfrage stellt, stellt die Machtfrage. Wem ich vertraue, dem gebe ich immer auch Macht über mich. Das macht das Vertrauen so schwierig; die Macht kann ja missbraucht werden, dafür gibt es unendlich viele Beispiele. Ist Misstrauen dann nicht gut? Ist es nicht besser, selbst Macht und Kontrolle über mich auszuüben? Aber jeder Mensch braucht doch jemanden, dem er vertrauen kann! Niemand kann alles alleine regeln.

Die Anonymen Alkoholiker sind Menschen, die sich zusammengetan haben, um ihre Alkoholsucht zu bekämpfen. Sie treffen sich regelmäßig zu Gruppengesprächen. Niemand muss sich dabei namentlich zu erkennen geben, es geht nur um die Ehrlichkeit gegenüber der eigenen Abhängigkeit. Der Alkohol, der vorübergehend Angst und Sorge vertreibt, ist für sie der falsche Hirte, der ins Verderben führt. Sie geben auf die Vertrauensfrage diese Antwort: „Für den Sinn und Zweck unserer Gruppe gibt es nur eine höchste Autorität – einen liebenden Gott, wie Er sich in dem Gewissen unserer Gruppe zu erkennen gibt“. Eine bestimmte Religion ist damit nicht gemeint, aber der Glaube an den liebenden Gott macht die Mitglieder dieser Gruppe so stark, dass sie auf Alkohol verzichten. Die Alkoholsucht ist damit nicht vorbei, auch Mitglieder der Anonymen Alkoholiker haben Rückfälle. Aber der gemeinsame Glaube an den liebenden Gott hilft ihnen, die Rückfälle zu überwinden und der Weg zurück in ein alkoholfreies Leben zu finden. Der liebende Gott nimmt Menschen eben immer wieder an, wenn sie zu ihm zurückwollen, und hält ihnen keine Moralpredigt. Er kennt sie schließlich, und seine Liebe ist viel stärker als alles, was Menschen tun können. Die Anonymen Alkoholiker erleben das nicht als fromme Worte, sondern als wirkliche Kraft und Hilfe im Kampf gegen ihre Sucht.

Der Erfolg der anonymen Alkoholiker kommt daher aus dem Vertrauen in einen Gott, über den Hesekiel sagt: 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken. Dieses Vertrauen richtet sich für Christen an Jesus, der als Mensch gelebt hat. Jesus hat gesagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“ Gott schenke uns allen dieses Vertrauen in ihn und die Kraft, es in Demut und Dankbarkeit an unsere Mitmenschen weiterzugeben.

Fürbitten

Gott, wir danken Dir, dass Du jeden Menschen als guter Hirte durch das Leben begleiten willst. Schenk den Glauben und das Vertrauen, Deine Liebe zu sehen und anzunehmen.

Gott, schütze jeden von uns davor, sich falschen Hirten zuzuwenden. Verlass keinen, der einen Irrweg beschreitet und nimm ihn wieder an, wenn er zu Dir zurückkehren will.

Gott, schenke uns Liebe, Geduld und Weisheit, für Menschen in Not in unserer zum guten Hirten zu werden.

Gott, schenke uns Liebe und Demut, schütze vor Überheblichkeit dem Nächsten gegenüber. Lass uns daran denken, dass alle Menschen aus Deiner Gnade leben.

Wir beten das Vaterunser.

Irmgard Schulz

13.4.2021

Digitales Senior*innen-Treffen

Wir laden Sie wieder herzlich zu einem Video-Treffen im Internet ein, das Sie über den folgenden Link vom Smartphone, Tablet oder Computer erreichen können:

SAZ digitales Treffen 14042021

Wir würden uns sehr freuen, Sie zumindest auf dem Bildschirm mal wieder zu sehen.

Ute Lückert

31.3.2021

Unser Praktikant aus dem Süden

Mein Name ist Jakob Güntter und ich werde vom 17.3.- 11.4. ein Praktikum in der Epiphanias-Gemeinde machen. Hier möchte ich mich gerne kurz vorstellen.

Seit einem Jahr studiere ich in Heidelberg evangelische Theologie mit dem Ziel, Pfarrer zu werden. An der Uni bin ich allerdings schon länger, zuerst habe ich einen Bachelor in Geschichte und Theologie gemacht. Dabei habe ich meine Leidenschaft für Theologie und meine Faszination für die vielseitigen Aufgaben des Pfarrberufs entdeckt und deshalb beschlossen, ein Pfarramtsstudium anzuschließen.

Obwohl ich in einem Pfarrhaus aufgewachsen bin, bin ich über Umwege zur Theologie gekommen. Vor dem Studium habe ich erst ein Jahr lang in den Niederlanden ein FSJ gemacht und mit Obdachlosen gearbeitet. Anschließend war ich in Frankreich, wo ich eine längere Zeit in der Gemeinschaft von Taizé gelebt habe. An beiden Orten habe ich sehr unterschiedliche Formen von gelebtem Christentum erfahren, weswegen ich mit dem Theologiestudium mein Verständnis der Glaubensinhalte und ihrer Geschichte vertiefen und gleichzeitig herausfinden wollte, an welchem Ort und wie ich meinen Glauben leben möchte. Dabei ist mir klar geworden, dass mein Bild vom Pfarramt einseitig war und ich mir den Pfarrberuf mit seinen vielen unterschiedlichen Facetten sehr gut vorstellen kann.

Neben dem Studium mache ich gerne Musik, engagiere mich in der ESG (Evangelischen Studierendengemeinde)  und beim Kirchentag und lebe mit den verschiedensten Projekten meine Kreativität aus.

Ich freue mich sehr auf das Praktikum in der Epiphanias-Gemeinde und darauf, die Gemeinde kennenzulernen. Ursprünglich komme ich nämlich aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald. So habe ich das Gemeindeleben in einer württembergischen Kleinstadt kennengelernt und freue mich jetzt auf die Großstadt im Norden!

31.3.2021

Ostergottesdienst

und Familiengottesdienst auf dem YouTube-Kanal „Epiphanias-Kirche Hannover“  und auf der Website der Titusgemeinde. 

Ostertütenverteilaktion um 10 Uhr jeweils vor der Titus-Kirche und vor der Epiphanias-Kirche.

28.3.2021

Andacht zum Palmsonntag, 28.3.

„Am nächsten Tag hörte die große Menge, die sich zum Fest in der Stadt aufhielt: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige und liefen ihm entgegen. Sie riefen: ‚Hosianna! Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt! Er ist der König Israels!‘ Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf… Die Jünger von Jesus verstanden das zunächst nicht… Die vielen Leute, die dabei gewesen waren, bezeugten: ‚Er hat den Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn von den Toten auferweckt!‘ Deshalb kam ihm ja auch die Volksmenge entgegen. Sie alle hatten gehört, dass er dieses Zeichen getan hatte. Aber die Pharisäer sagten zueinander: ‚Da merkt ihr, dass ihr nichts machen könnt. Alle Welt läuft ihm nach.‘“ (Johannes-Evangelium, Kapitel 12)

Liebe Leserinnen und Leser,

triumphale Einzüge sind noch heute eine große Sache. Fussballweltmeister*innen oder großen, meist monarchischen Persönlichkeiten wird diese Ehre zuteil. Doch die Ehre ist nicht ungeteilt  –  wie schon zu Jesu Zeiten: Manche stehen abseits und sind skeptisch, ablehnend oder gar feindselig gegenüber solchen Vorgängen. Bei Jesus ist auch noch etwas eher Befremdliches daran, denn er reitet nicht etwa auf einem edlen Pferd in die Stadt Jerusalem, sondern auf einem jungen Esel. Was muss das für ein Bild abgegeben haben: Ein erwachsener Mann auf solch einem kleinen, noch nicht ausgewachsenen Reittier, schaukelnd, die Füße auf dem Boden schleifend? Fast närrisch in den Augen mancher, Ärgernis erregend für andere. Es scheint ein Bild für das zu sein, was ihm in naher Zukunft geschehen wird: Er wird verlacht und verhöhnt von den einen, und von den anderen wütend beschimpft werden. Selbst die, die ihm jetzt zujubeln, werden sich am dunkelsten Tag, an dem alles zu Ende gehen wird, von ihm abwenden. Und die Jünger, die kaum verstehen, was beim Einzug in Jerusalem vor sich geht, werden ihn bald allein lassen, werden sich in alle Himmelsrichtungen versprengen; Einzug als steter Abstieg. Triumph und Niedergang liegen in der Welt so nahe. Personen des öffentlichen Lebens werden erst in den Himmel gehoben, dann mitunter schon beim kleinsten Vorkommnis, das nicht ins Bild passt, fallen gelassen, vom Sockel gestoßen. Jesus scheint es ähnlich zu gehen. Da kann man wohl nichts machen.

Aber dennoch wird dieser Einzug in anderer Weise in einen Triumph münden, als die Welt ahnt. Wir wissen: Der Weg führt Jesus hinauf ans Kreuz, wo all die Triumphe, die Siege, die Errungenschaften in der Welt zunichte werden. Am Kreuz werden sie als das entlarvt, was sie sind: Taten auf Kosten anderer allein zum Ruhm derer, die sie begangen haben. Schon beim Einzug auf dem jungen Esel deutet sich an, dass Jesus bei weltlichen Triumphen nicht mitmacht. Er handelt einzig und allein im Auftrag Gottes, seines Vaters. Jesus geht mit diesem Auftrag und der darin mitgegebenen Kraft hinauf ans Kreuz, wird dann hinunter genommen und ins Grab gelegt, und am dritten Tage wird er hinauf kommen zu einem völlig neuen Leben. Das ist ein völlig anderer Triumph als all diejenigen, die in der Welt zustande kommen könnten. Das ist der Triumph des Lebens über den Tod, der Triumph des Aufstiegs aller über den Erfolg der wenigen.

Wir erleben in diesen Tagen, dass immer mehr Menschen sich fragen, ob wir mit den Maßnahmen und Vorkehrungen tatsächlich die Pandemie bekämpfen können. Da kommt dann eine Politikerin vor die Kameras, wird demütig und entschuldigt sich bei der Bevölkerung für einen Fehler. Es ist eine Handlung, der viele großen Respekt zollen, zumal sie so selten im politischen Betrieb vorkommt. Hierin liegt vielleicht ein Triumph im Kleinen, im scheinbaren Scheitern. Nicht der Ruhm der großen Tat, sondern wohl eher die Zurücknahme eines Fehlers lässt die Tat erkennen, die sich noch der Verantwortung gegenüber einer anderen Macht und Kraft verdankt weiß.

Wir haben einander viel zu verzeihen, so sagte es im letzten Jahr ein anderer Politiker. Mit Jesus Christus, der auf einem Esel reitet, kommt die Fähigkeit zu uns, Geduld und die Möglichkeit zu verzeihen aufzubringen. Amen.

Pastor Jens Petersen

18.3.2021

Andacht zum 21. März – Judika

Andacht zu Hiob 19,21-27 am Judika – 5. Sonntag in der Passionszeit

  • 21Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? 23Ach, dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, 24mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! 25Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. 26Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. 27Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Die Menschheit beschäftigt sich mit den Grundfragen nach der Leidfrage seit ewig. Sie versuchen die Antwort für „Warum Fragen“ zu finden: Warum muss ich leiden? Warum leiden die gerechten Menschen? Wie geht man mit den leidenden Menschen um? Verstehe ich Leiden als Strafe Gottes? Um eine Erklärung zu finden, erzählten sich Menschen Geschichten. Wenn jemanden etwas schlimmes wie eine Krankheit oder ein Unfall widerfuhr, haben sie dies als Strafe Gottes verstanden. Wenn einer krank wird, sagen sie der oder die muss etwas Böses getan haben, sonst würde Gott ihn/ihr nicht bestrafen. Einige Evangelikale Prediger erklären das Virus COVID 19 als Gottes Strafe.

Ähnlich ist Hiobsgeschichte. Hiob ist fertig mit der Welt und seinen Freunden und verzweifelt. Und an dieser Stelle setzt unser heutiger Predigttext ein. In der Geschichte wird erzählt, dass Hiob ein gerechter Mann war, aber er wurde bestraft. Er verlor alles und wurde krank. Indem sie Hiobsgeschichte erzählten, begriffen die Menschen, was sie eigentlich schon lange gewusst hatten, nämlich: dass das Leben nicht gerecht ist, weil es den Ehrlichen nicht immer gut geht oder den Bösen schlecht. Aber weil sie keine Erklärung dafür fanden, fuhren sie fort, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, denn das hatte sich bewährt. Manchmal konnten sie dadurch Gerechtigkeit herstellen. Und manchmal fühlte es sich einfach gut an, wenn man sich selber zu den Guten zählen und mit dem Finger auf andere zeigen konnte. Aber wie es in der Bibel (im Neutestament) erzählt wird, sind alle Menschen schuldig und gehören nicht zu den Guten. Darum schickte Gott seinen eigenen Sohn Jesus Christus, der ohne Schuld ist, als Erlöser. In ihm wurde Gott Mensch, um die Menschheit zu retten. Man nennte diesen Jesus Christus ein Lösegeld für die menschliche Sünden. Denn Opfer und Lösegeld kannten die Menschen, schon; diese Erklärung erschien ihnen vernünftig. Und sie erwarteten eine große Gerichtsverhandlung Gottes, zur Strafe und zur Belohnung an Orten, die sie Hölle und Himmel nannten.

Aber im Laufe der Zeit lernten die Christen, dass Gott von Beruf kein Gerechtigkeits-Prüfer ist, der Belastungsproben erfindet. Er ist auch keine Mafia, die das Lösegeld fordert.  Gott ist der Erlöser, bis es eines Tages das Böse nicht mehr geben wird. Unser Gott lehrt uns, was Achtung und Vergebung bedeuten.

Gott ist da nicht als Richter uns zu strafen, sondern uns zu befreien. Die Richter, die wir auf Erden haben sind für unser Zusammenleben, zu dem auch die Angeklagten zugehören. Unsere Aufgabe ist gegen alle Gewalt und Unterdrückungen zu kämpfen. Dafür müssen wir das Böse erkennen und beim Namen nennen. Wir müssen denen Schlimmes widerfährt beistehen, egal wer sie sind. Wir leiden mit den Leidenden, wenn wir nicht verstehen, warum sie leiden müssen. Wir müssen nicht die Armut, die Krankheit oder den Tod als Gottes Strafe erklären. Unsere Aufgabe ist den leidenden Menschen zu zuhören, damit sie in ihrer Verzweiflung nicht gegen eine Mauer des Schweigens rennen und sich von Menschen verurteilt finden, so als hätte Gott selbst sie verurteilt. Unser Gott ist weniger Richter und vielmehr Anwalt des Zusammenlebens der Menschheit.  Amen.

Rev. Dr. Benti, Ujulu Tesso

Psalm und Fürbitten am 5. Sonntag in der Passionszeit (21.3.2021)

Psalm 43, 1-5
1 Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! 2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, 4 dass ich hineingehe, zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. 5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Fürbittengebet

Gott, unsere Klagemauer, wir rufen zu dir, aber manchmal rennen wir auch gegen dich an.
Wir bitten dich für alle, die sich von dir verlassen fühlen, die keine Hilfe von dir erkennen können und an ihrem Elend zerbrechen. Gib dich ihnen tröstend zu erkennen und eile ihnen zu Hilfe.
Gott, unser Helfer, wir bitten dich für die grundlos Verfolgten, die Gehetzten und Atemlosen, die Unterdrückten und Gequälten.  Stelle ihnen Menschen an die Seite und Fürsprecher, die ihre Stimme erheben und Gerechtigkeit fordern. Nimm du dich ihrer Sache an.
Gott, du Anwalt des Lebens, wir bitten dich für die Menschen, die im Namen von Recht und Gesetz arbeiten, für Richter und Anwälte, Justizangestellte und Polizisten: Lass sie deine Gerechtigkeit nicht aus den Augen verlieren und schenke ihnen klares Urteilsvermögen. Stärke sie zu ihrem Tun und lass sie die Anerkennung erfahren, die sie verdienen.
Gott, der du unsere Herzen kennst, wir bitten dich für uns, dass wir in der Unterscheidung von Gut und Böse nicht den Splitter in den Augen der anderen suchen, sondern bei uns selbst anfangen. Du bist unser Vater, lass uns handeln, wie es den Kindern Gottes zukommt. Amen.

17.3.2021

Impulse für die Passionszeit

„Liebe Leserinnen und Leser,

die Passionszeit ist eine besondere Zeit in der Kirche, eine Fastenzeit. Die EKD schlägt für die sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und  Ostersonntag alljährlich ein Motto vor, unter dem sich – wenn es möglich ist – auch Gruppen zusammenfinden, um gemeinsam diese Fastenzeit zu begehen. Das diesjährige Motto lautet: „7 Wochen ohne – Blockaden“. Wer sich informieren möchte, kann den unten angegebenen Link öffnen und einiges Wissenswerte dazu finden. Hoffentlich werden die uns beherrschenden Pandemie-Blockaden bald aufgehoben werden können. Das wünschen wir uns alle so sehr!“

https://7wochenohne.evangelisch.de/warum-fasten-wir-eigentlich

10.3.2021

Der rosarote Freudensonntag! – LÄTARE, 14. März 2021

Lesung aus Johannes 12, 20-24

Es befanden sich auch einige Griechen unter denen, die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren, um Gott anzubeten. Die gingen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: »Herr, wir wollen Jesus sehen!« Philippus ging zu Andreas und sagte es ihm. Dann gingen die beiden zu Jesus und berichteten es ihm. Da sagte Jesus zu ihnen: »Die Stunde ist gekommen! Jetzt wird der Menschensohn in seiner Herrlichkeit sichtbar. Amen, amen, das sage ich euch: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht

Impuls

Welche Farbe hat dein Glaube? Für Julian muss der Glaube unbedingt blau sein, hell und weit wie der Himmel. Jenny sieht ihren Glauben in Rot, wegen der Liebe und Gott ist doch die Liebe. Für mich ist der Glaube gelb, sonnengelb. Wie die Sonne und die Sonnenblumen, strahlend, wärmend, glänzend.

Welche Farbe hat dein Glaube? In der Kirche kennen wir die verschiedenen liturgischen Farben. Mit ihnen gehen wir durchs Kirchenjahr. Weiß steht für die Anwesenheit Gottes, für die großen christlichen Feiertage Weihnachten und Ostern. Im Sommer, wenn alles wächst und reift, dann „grünt“ es auch in den Kirchen! Und wenn die Kirche „Rot sieht“, dann sprüht sie über vom Heiligen Geist: An Pfingsten oder am Reformationstag legt die Kirche Rouge auf, die Farbe der Energie und der Kraft. Schwarz gibt es nur an einem Tag –Karfreitag. Und noch eine Farbe kommt –wenn überhaupt –bei uns nur ein einziges Mal vor. Rosa.

Rosa ist die Farbe dieses Sonntags Lätare: „Freue dich!“ Heute also ist der Glaube rosa. Ob die Menschenmenge in Jerusalem auch die rosarote Brille aufhatte oder nicht doch eher Rot sah, weil Jesus in der Stadt war, weiß man kaum zu unterscheiden. Er kam zum Passahfest wie Tausende andere auch. Doch war es sofort anders: Großer Einzug. Grüne Zweige. Rote Wangen vor Eifer und Freude. Alle wollten ihn sehn. Ganz Clevere versuchten, über die Jünger an ihn ranzukommen. Wollten einen Nachweis seiner göttlichen Vollmacht. Suchten wohl nach Zeichen und Wundern. Stattdessen gab er ihnen Rätsel auf, denn Jesus spricht in Bildern: „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Seltsam… Welche Farbe hat der Glaube? Weizenkörner sind braun, hellbraun oder gold-gelb, wie man ́s nimmt.

Wenn das Weizenkorn erstirbt und Frucht bringt. Wenn aus Körnern ein Brot wird; aus vereinzelten Menschen eine starke Gemeinschaft, die Frucht bringt und Leben und Liebe. Wenn Gott in das Leben der Menschen kommt, wenn sich Weiß als die Farbe Gottes unter das Rot, das Blut der Menschen mischt, wird es hell, rosa. Darum ist dies die Farbe des Sonntags. In der Mitte der Passionszeit mischt sich ein erster Oster-Funken in die Wut, den Eifer und die Sorge der Gläubigen hinein, ja auch in ihre Einsichten, ihre Tief- und Abgründe, ihre Trauer, ihre Verluste und in ihre Kraft. Gott weiß, was es bedeutet, Mensch zu sein –in allen Farben des Lebens. Er weiß, was es heißt, im sonnengelben Stroh zu liegen, von grünen Zweigen empfangen zu werden, aber auch in glühende Gesichter zu schauen, die Rot sehen, ihre blauen Lippen schreien und klagen zu hören; Gott weiß, wie es ist, wenn dir schwarz vor Augen wird. Gott weiß, dass er sterben muss, damit wir leben und glauben können. So macht er unser Leben hell. Von Blutrot, ins himmelblau gefärbte Lila zum blassgöttlichen Rosa. Bis auch wir eines Tages ganz im Glanz der Sonne aufgehen und unsere Westen endgültig weiß sind.

Welche Farbe hat dein Glaube? Es ist nicht selbstverständlich, so etwas Inneres, ja fast Intimes wie den Glauben mit so äußerlichen Merkmalen auszudrücken. Aber in allen unsere Farben mischt sich der Glanz, der von Eden aufbricht, Morgenglanz der Ewigkeit. Und wir mittendrin. Unser Leben ist schon durchzogen von Gottes Glanz. Freue dich! Freut euch alle! Denn ein sterbendes Weizenkorn bringt viel Frucht in all unsere Farben des Glaubens.

Lied: Korn, das in die Erde (EG 98)

16.2.2021

Offene Kirche – so geht es weiter


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In den Kirchenvorständen wurde beschlossen, dass während des Lockdowns vorerst keine Gottesdienste in der Kirche gefeiert werden, um Ansteckungen zu vermeiden. Trotzdem werden wir künftig am Sonntag zwischen 10 – 11 Uhr abwechselnd beide Kirchen öffnen. Sie sind eingeladen innerhalb dieser Stunde vorbeizukommen, zu beten, der Orgel- oder Klaviermusik zu lauschen oder einfach einen Moment zu verweilen. Wir laden ein zur Offenen Kirche an folgenden Sonntagen:
– in Epiphanias: 31.1., 14.2., 28.2., 14.3., 28.3., 18.4.,
– in Titus: 24.1., 7.2., 21.2., 7.3., 21.3., 11.4., 25.4.

Sobald als möglich werden wieder Gottesdienste gefeiert, bitte entnehmen Sie unsere Informationen den Schaukästen und Websites.

Auf dem YouTube-Kanal „Epiphanias Kirche Hannover“ gibt es wöchentlich „Das Wort zum Montag“: https://www.youtube.com/watch?v=NJlOAcFEwSw, gesprochen von Haupt- und Ehrenamtlichen aus beiden Gemeinden. Wenn Sie regelmäßig einen „GemeindeGruß aus Epi und Titus“ per WhatsApp erhalten möchten, schreiben Sie eine SMS an Tel. 015737295126.

15.2.2021

Andacht 28.02., Reminiszere – zu Jesaja 5, 1-7

 

Liebe Leserinnen und Leser!

In bildlicher Sprache redet Prophet Jesaja vom Weinberg in seinem Buch im 5. Kapitel. Weil der Wein ein Luxusgut ist, der einen langen Prozess braucht, hier gepflanzt ist der Weinberg ein wertvolles Stück Land. Mit der Hoffnung eine gute Ernte zu bekommen, pflanzt der Bauer die Reben und baut einen Zaun um den Weinberg als Schutz. Trotz aller Mühe kann der Weinberg den Bauern manchmal enttäuschen und hat wenig oder schlechte Trauben. Aus Enttäuschung nimmt der Bauer den Zaun weg und lässt den Weinberg ohne Schutz.

Der Weinberg im Text steht als Bild für das Volk Israel und die schlechten Trauben stehen für das Unrecht in Israel. Ähnlich wie der Weinberg hat das Volk Israel seinen Gott enttäuscht. Der Jesaja prophezeit, dass Gottes als Strafe das Volk Israel ohne Schutz lässt, dass der Feind Babylon die Grenzen Judas überschreitet, dass der Staat Israel vernichtet, der Tempel in Jerusalem zerstört und das Volk in die Sklaverei nach Babylon weggeführt wird. Mit dieser schlechten Nachricht macht der Prophet den Zuhörer hilflos und hoffnungslos. Wie Jesaja sagte, wurde die Prophezeiung erfüllt. Das Volk Israel musste fast 60 Jahre im babylonischen Exil um sein Überleben kämpfen. Die leidendenden, verzweifelten, traurigen Israeliten fragten sich damals: Hat Gott seinen Bund mit Israel vergessen? Gibt es Hoffnung für das Volk Gottes?

Liebe Leserinnen und Leser! Wie oft haben wir im Privaten, im gesellschaftlichen Leben Verzweiflung, Traurigkeit, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit erlebt? Wie die Israeliten damals einen Überlebenskampf geführt haben, so tun  wir es auch heute. Das tödliche Virus  COVID 19 hat die ganze Welt hilflos, ratlos und hoffnungslos gemacht. Seit einem Jahr müssen wir soziale Kontakte vermeiden, Geschäfte schließen, allein zu Hause sitzen. Viele Menschen leiden an unerträglicher Einsamkeit. Viele Menschen haben keine Ahnung, wie es beruflich weitergeht. Oder wenn Nahestehende sterben oder wenn man eine lebensbedrohliche Diagnose erhält, verliert man die Hoffnung. Dann geht es uns nicht viel anders als den Hörern des Jesaja.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sagt man in Deutsch, aber ich sage: für Gottes Volk stirbt die Hoffnung nie. Das Leben besteht nicht nur aus Tiefen, sondern auch aus Höhen.  Die Kriege und seine Folgen wie Hungernöte, Vertreibungen, die eigenen Krankheiten, der Tod eines geliebten Menschen und menschliche Schikane sind die Tiefpunkte des Lebens. Unsere beruflichen, wirtschaftlichen Erfolge und der lange Frieden nach dem Krieg, das Leben in einem Rechtsstaat, die soziale Absicherung, die schnelle Erfindung vom Impfstoff in Deutschland sind die Höhepunkte. Dafür müssen wir dankbar sein. Als Gläubige müssen wir die Hoffnung haben, dass hinter der Dunkelheit ein helles Licht steht. Gottes Bund mit seinem Volk ist nicht abhängig von unseren Sünden.

In unserer Bibel lesen wir, nicht nur die menschlichen Verfehlungen und göttliche Strafe, sondern auch Reue und Gottes Errettung. Gott wurde in seinem Sohn Jesus Christus ein Mensch und erlebte, was wir Menschen kennen. Da war das Schöne am Leben: Er wurde bejubelt, Menschen folgten ihm nach und er kannte Freude und Freundschaft. Und er hat wie ein Mensch gelitten: Er erlebte Ablehnung, Verleugnung, Verrat, ein ungerechtes Urteil und einen einsamen Tod. Durch seine Auferstehung von den Toten hat er uns vor dem ewigen Tot gerettet. Durch Jesus hat Gott uns allen von unserer Schuld befreit. Das ist das Geschenk der Passion Jesu. Liebe Leserinnen und Leser! Wir können immer wieder bei Gott einen Neuanfang machen. Deshalb können wir durch unsere Gebete unserem rettenden Gott begegnen. Er hört unsere Gebete. Amen.  

Pastor Benti

 

Psalm und Fürbittengebete

Psalm 25, 1-9

1: Von David. Nach dir, HERR, verlangt mich.
2: Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.
3: Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.
4: HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!
5: Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.
6: Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.
7: Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen!
8: Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.
9: Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du uns vorausgegangen bist und uns durch den Tod ins Leben führst. Wir bitten dich: Schenke es, dass wir uns dir anvertrauen und uns ganz auf dich und deine Barmherzigkeit verlassen – und nicht auf unsere eigenen Kräfte.

Gnädiger Gott, wir bitten dich, dass du den Glauben deiner Kirche stärkst. Schenke es, dass wir uns ganz auf dich verlassen und uns dir anvertrauen – auch dann, wenn uns alles ausweglos erscheinen mag.

Gnädiger Gott, wir legen Sterbende an dein Herz und Menschen, die sie versorgen; auch Verstorbene und Menschen, die um sie trauern. Auch Kranke und die, die sich Sorgen um ihre Lieben machen.  Schenke deinen Trost und stärke den Glauben an das Leben, auch wenn der Tod nach uns greift.

Gnädiger Gott, mach uns zu Boten des Lebens und der Versöhnung in dieser Zeit und in unserer Welt. Lass Menschen das Leben erfahren, das sich durchsetzt.

Schenke uns und allen Menschen den Mut zum Vertrauen auf deine Liebe, die wächst und lebendig ist, auch wenn alles tot erscheint.

15.2.2021

Online-Abendandacht 19.2.

Was verbinden Sie mit ‚Hoffnung‘? Wenn Sie mögen, schicken Sie einen Begriff oder einen Satz an jacobs.epiphanias@gmail.com. Ihre Gedanken fließen in die Vorbereitung der Andacht ein.

13.2.2021

Epiphanias-YouTube-Kanal – GemeindeGruß

Hier geht es zum Epiphanias-YouTube-Kanal.

Auf dem YouTube-Kanal „Epiphanias Kirche Hannover“ gibt es wöchentlich „Das Wort zum Montag“: https://www.youtube.com/watch?v=NJlOAcFEwSw, gesprochen von Haupt- und Ehrenamtlichen aus beiden Gemeinden.

Wenn Sie regelmäßig einen „GemeindeGruß aus Epi und Titus“ per WhatsApp erhalten möchten, schreiben Sie eine SMS an Tel. 015737295126.

12.2.2021

Andacht an Invokavit – 21.2.

Gebet
Deinen Weg, Jesus, will ich in Gedanken mitgehen.
Du wirst verraten und verkauft, du wirst alleingelassen,
auch von denen, die dir nahstanden.
Du trägst auch unser Leid, unsere Verzweiflung und Angst.
Steh uns bei in dieser dunklen Zeit,
wenn wir allein oder verraten sind.
Amen.

Bibeltext: Johannes 13,21-30
Jesus wurde erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.
Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s?
Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.
Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.
Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Gedanken zum Text:

„Einer unter euch wird mich verraten.“ Der Satz trifft mitten ins Herz. Ein Satz und es wird bedrückend still. Keiner sagt ein Wort. Die Jünger schauen sich an. Sind ratlos, wahrscheinlich sogar verzweifelt. Die sekundenlange Stille fühlt sich viel länger an. Bis sich der erste traut und die Frage stellt, die alle umtreibt: „Wer ist’s?“ Petrus und Johannes flüstern miteinander.

Dann wird Jesus gefragt: „Wer ist’s, der dich verrät?“ Eine ängstliche Frage. Kaum einer der Jünger kann die Hand dafür ins Feuer legen, dass nicht er selber Jesus verraten wird. Eigentlich ist es keinem von ihnen zuzutrauen. Oder jedem. Jeder würde von sich behaupten, für Jesus durchs Feuer zu gehen. Doch in wenigen Stunden werden fast alle Jesus im Stich zu lassen.

„Einer unter euch“, sagt Jesus. „Einer wird mich verraten.“ Verrat ist schlimm. Aber wenn ein Freund der Verräter ist, ist es noch schlimmer. Verrat in seiner grausamsten Form, die größte Enttäuschung, die es gibt. Niemand kann einen mehr verletzen, als der, den man liebt.

„Einer unter euch wird mich verraten“. „Wer ist’s? Wer wird es tun? Jesus, sag es uns!“ Die Jünger wollen verständlicherweise gerne Gewissheit. „Wer ist’s?“ „Der ist’s,“, sagt Jesus, „dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ Und dann nimmt er ein Stück Brot und taucht es in eine der Schüsseln. Eine vertraute Geste, eine Zeremonie, die zum Passafest gehört. Gleich wird er einem der Männer das Brot reichen. Aber weiß der Verräter schon, dass er gemeint ist? Oder hat er noch die Hoffnung, dass Jesus seinen Bissen einem anderen reicht?

„Einer unter euch wird mich verraten“. Jetzt ist es klar, wen Jesus meint: „Du bist der Mann, Judas!“ Jesus gibt ihm den Bissen. Und der nimmt ihn aus seiner Hand. „Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen“, hat Jesus gerade gesagt. Nun beginnt sich die Vorhersage zu erfüllen. Judas isst das Brot und geht dann hinaus in die Nacht. Gleich wird er Jesus verraten. Was eben nur eine Idee war, wird er jetzt tun.

„Was du tust, das tue bald“, sagt Jesus zu ihm.

„Einer unter euch wird mich verraten.“ Ein Satz, der einen schweigen lässt und traurig macht. Der Verrat des geliebten Jüngers ist der nur erste Schritt. Es werden noch weitere folgen, die Jesus ans Kreuz bringen. Amen.

Lied: Holz auf Jesu Schulter [EG 97] https://www.youtube.com/watch?v=Bvxnvm7oIqE

Pastorin Hanna Jacobs mit Elementen vom Gottesdienstinstitut Hildesheim

10.2.2021

Andacht zum Sonntag, 14.2. – Estomihi

„Das ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.“ Jesaja, 58, 1-9

Liebe Leserinnen und Leser,
Fastenzeit – ein merkwürdiges Gefühl in diesem Jahr für alle, denen das wichtig ist, die dran denken. Wir müssen doch notgedrungen und kaum selbst gewählt auf so vieles verzichten, was uns gut, teuer, wichtig und lebensnotwendig ist. Jesaja spricht hier ein Wort Gottes, dem es nicht gefällt, wenn das Fasten einfach nur „so durchgezogen wird“, weil „man es halt machen muss“ und keine innere Beteiligung, kein Ernst dahintersteckt.

Worum geht es dann eigentlich für Gott beim Fasten? Hier wird es recht sozialkritisch. Fasten steht in dem Jesaja-Text mit dem Umgang in Zusammenhang, den die Menschen gegenüber anderen walten lassen. Haben wir bei diesen Temperaturen schon Menschen gesehen, die kein Obdach haben, die allein sind und von Tag zu Tag bei Eiseskälte sehen müssen, wie sie durchkommen? Wir haben ja immer recht viele Abwehrmechanismen, die gut funktionieren. „Ja, die sind doch selbst schuld. Niemand muss doch in unserer Gesellschaft auf der Straße leben.“ Daran ist ja ein Korn Wahrheit, und dennoch wendet Jesaja mit dem Wort Gottes, das er an uns richtet, unsere Perspektive: Wir sollen uns diese Menschen, denen es schlecht geht, nicht mit guten Argumenten vom Hals halten, sondern wir sollen sie als unser „Fleisch und Blut“ betrachten. Wir sind mit ihnen verbunden, die doch so ganz anders leben und denken als wir, denen es momentan sehr schlecht geht. Nachts fahren in den Innenstädten manche „Kältebusse“ umher, immer auf der Suche nach Menschen, die vom Kältetod bedroht sind. Freiwillige wollen etwas tun, sie fühlen sich mit den Obdachlosen verbunden. Sie wollen helfen, wollen ihnen nachgehen und die allergrößte Not für den Augenblick lindern.

Fasten hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun, die uns gilt. In diesem „uns“ sind auch die mit inbegriffen, die wir nicht sehen, nicht sehen oder wahrnehmen wollen oder nicht können. Die Gerechtigkeit, mit der wir unsere eigenen Interessen, auch unsere derzeitigen Frustrationen, unsere CoViD-19-Müdigkeit hintanstellen und auf andere aufmerksam werden, denen es schlecht geht, diese Gerechtigkeit führt einen neuen Tag herauf. Gott hat uns diesen Blick für die Gerechtigkeit gegeben. Er lässt uns tatkräftig dafür bei uns, nach unseren Kräften, handeln. Der neue Tag, den Gott heraufführt, ist schon angebrochen, wo wir aufeinander Acht geben, wo wir einander wahrnehmen und helfen, auch wenn das im Augenblick eingeschränkt möglich ist. Gott ermöglicht uns und macht uns bereit, die Gerechtigkeit, die wir haben erfahren können, anderen weiterzugeben. Wenn wir das miteinander schaffen und machen, wird‘s hell und wir alle werden mit Gottes Hilfe zusammenhalten. In dem, was wir für andere tun, wird die Stimme Gottes hörbar, die ein heilsames Wort spricht, die uns Kraft und Mut zuspricht.

Ich wünsche Ihnen und Euch, dass Gottes Gerechtigkeit berührt und motiviert, damit es unter uns und bei den anderen, die zu uns gehören gerecht werde.

Amen. Jens Petersen

Wer will und ein Evangelisches Gesangbuch zur Hand hat, singe Lied Nr. 420:

  1. Brich mit dem Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus.
  2. Such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied.
  3. Teil mit den Einsamen dein Haus, such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort.
6.2.2021

Andacht für Sonntag, 7. Februar 2021

Lasst nicht nach in eurem Eifer. Lasst euch vom Geist anstecken und dient dem Herrn. Freut euch, dass ihr Hoffnung habt. Bleibt standhaft, wenn ihr leiden müsst. Hört nicht auf zu beten. Römer 12, 11-12

„Hoffnung ist gefährlich“, sagte eine gute Freundin einmal zu mir. „Manchmal hofft man ganz lange auf etwas und wartet geduldig, statt den Tatsachen ins Auge zu sehen. Und am Ende hat man umsonst gehofft.“  Die Hoffnung, von der sie sprach, klang brav. Diese Hoffnung sitzt zuhause, trinkt Tee, strickt vielleicht, und wartet ab, dass etwas passiert. Das ist die normale Hoffnung. Aber sie hat eine christliche Schwester. Und die ist so gar nicht passiv, sondern ziemlich wild und beinah trotzig.

„Hoffnung ist der Widerstand gegen Resignation, Mutlosigkeit und Zynismus. Sie stellt nicht nur fest, was ist. Sie ist eine wundervolle untreue Buchhalterin, die die Bilanzen fälscht und einen guten Ausgang des Lebens behauptet, wo dieser noch nicht abzusehen ist.“ schreibt Fulbert Steffensky. Diese Hoffnung ist phantasievoll, sieht Möglichkeiten, wo alle „unmöglich“ sagen. Sie guckt über so manches Problem hinweg und zeigt nach vorne und guckt nach oben. Sie ist eher Pipi Langstrumpf, als deren Freundin Annika. Sie ist Abraham, der in den Sternenhimmel guckt und sie bewegt Jüngerinnen und Jünger dazu, in ein anderes Leben aufzubrechen. Die christliche Hoffnung beschwichtigt nicht und macht nicht passiv, obwohl ihr das im Lauf der Geschichte mehrfach vorgeworfen wurde.

Hoffnung hat gerade Hochkonjunktur. So vieles ist ungewiss in dieser Krisenzeit. Wir wissen nicht, wann sie vorbei ist und was wir bis dahin noch entbehren müssen. Wir ‚zappeln unruhig vor Erwartung‘, wir ‚hüpfen‘ – daher kommt nämlich unser deutsches Wort Hoffnung. Und somit ist es kein Wunder, dass man Hoffen nicht durch Stillsitzen lernt. „Hoffen lernt man auch dadurch, dass man handelt, als sei Rettung möglich. Hoffnung garantiert keinen guten Ausgang der Dinge. Hoffen heißt darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist, was wir tun.“ schreibt Steffensky weiter.

In Zeiten von Corona malt die Hoffnung Regenbögen ins Fenster. Sie hilft dem älteren Nachbarn beim Einkaufen. Sie hält Abstand, geht achtsam mit sich und anderen um. Die Hoffnung krempelt die Arme hoch und schafft sich frohe Momente im Ausnahmezustand. Sie betet auch nach vielen Wochen und Monaten noch für die, die krank sind, die, die helfen und die, die einsam sind.

Ja, Hoffnung ist tatsächlich ganz schön gefährlich – sie lässt nicht zu, dass man einfach aufgibt.

Pastorin Hanna Jacobs

Lied: Seid fröhlich in der Hoffnung (Zeichen der Liebe)
https://www.youtube.com/watch?v=VVuXzfQhb8c

Lied: Seid fröhlich in der Hoffnung, /beharrlich im Gebet / standhaft in aller Bedrängnis. / Macht einander Mut, ladet gerne Gäste ein. / Zeigt es allen, dass Jesus sie liebt.
Leben wird ein Zeichen der Hoffnung sein,/ der Hoffnung für diese Welt. / Weil Jesus vom Tod auferstanden ist, / und sie in den Händen hält!
Helfen wird ein Zeichen der Liebe sein,/ der Liebe zu dieser Welt. / Um Boten in Worten und Taten zu sein, / hat Jesus uns auserwählt!

2.2.2021

Online-Abendandacht 5.2.

Am Freitag, den 5. Februar feiern wir die erste Online-Abendandacht. Mittels Videokonferenz werden wir zusammenkommen und Texte hören, zusammen beten, Lieder hören. Jeder kann mit seinem Computer oder Handy teilnehmen, wenn er am Freitag um 17 Uhr auf diesen Link klickt: https://meet.jit.si/Epi-Abendandacht
So gelangen Sie in den digitalen Andachtsraum. Dort wird dann alles Weitere erklärt. Sie brauchen keine großen Computerkenntnisse, um teilnzunehmen. Wenn Sie mögen, legen Sie eine Kerze oder ein Teelicht bereit und etwas, um dies dann zu entzünden. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Hanna Jacobs (jacobs.epiphanias@gmail.com, Tel.: 0511/908975).

29.1.2021

Andacht Sonntag 31.1.2021

Bibeltext: 2. Petrusbrief 1, 16-21:
16: Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen.
17: Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
18: Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.
19: Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.
20: Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Auslegung geschieht.
21: Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben Menschen in Gottes Auftrag geredet.

Liebe Leserinnen und Leser,
die oben genannte Geschichte ist die gleiche Geschichte, die im Matthäusevangelium 17 steht. Jesus führt drei seiner Jünger, Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg. Dort überschattete sie eine lichte Wolke und eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein Lieber Sohn. An dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören. Da hatten sie Angst, fielen auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Da sprach Jesus: steht auf und fürchtet euch nicht. Als sie ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

Hier ist die Rede vom Licht Gottes das die Dunkelheit überwindet. Das Licht Gottes ist nichts anderes als Jesus Christus. In diese Herrlichkeit kam Gottes Wort, das wir hören sollen, um unsere Ängste zu überwinden. Gottes Wort hören bedeutet auch, an Jesus Christus und seine Verheißungen zu glauben und festzuhalten. Der Verfasser des Petrusbriefs sagt, dass das Licht, das von Jesus ausgehet, eine überwältigende Kraft hat, um in die Dunkelheit unseres Lebens zu leuchten. Es ist Gottes Wort, das nicht nur über Vergangenheit erzählt, sondern auch von dem was wir Zukunft hören verheißt. Diese alte biblische Geschichte passt zu unserer aktuellen Zeit der Dunkelheit, die Zeit der tödlichen Pandemie, die uns allen hilflos und hoffnungslos gemacht hat. Weil es kein Medikament für COVID 19 gibt, müssen wir mit Einschränkung leben; soziale Kontakte vermeiden und mehrere Tage allein zuhause sitzen. Keiner kann genau sagen wann die Normalität wiederkommen wird, deshalb sehen viele diese Dunkelheit.  Wer aber nur die dunkle Seite seines Lebens sieht, kann nicht das helle Licht hinter Dunkelheit sehen. Wenn wir nur die schlechte Nachricht des Lebens hören, können wir nicht Gottes Wort hören. Gottes Herrlichkeit kann unseren inneren Augen und Herzen aufmachen, Gottes Wort zu hören und anzunehmen. Gottes biblische Geschichte, die die Menschen seit Jahrhundert erzählt haben, können das Licht unseres Lebens seien. Es gibt Worte, die leuchten wie Jesus auf dem Berg der Verklärung geleuchtet hat. Es ist ein Leuchten, das für immer alle Dunkelheit alle Angst und alle Todesfurcht wie COVID 19 vergangen sein lässt. Deshalb lassen wir nicht zu, dass das Dunkel der Pandemie uns zuspricht. Stattdessen glauben wir, dass hinter dieser Krise ein Morgenstern, Jesus Christus in unseren Herzen aufgeht. Die Geschichten vom Glauben lassen uns spüren von der Wirklichkeit der Kraft und von der Herrlichkeit, die leuchtet, nicht nur damals auf dem Berg, sondern auch heute. Die Herrlichkeit Gottes leuchtet alle Zeit: gestern, heute, morgen und in Ewigkeit. Amen.

Pastor Tesso Benti

Gebet und Psalm zum Letzten Sonntag nach Epiphanias (31.1. 2021)

Gebet
Gott, dein Licht macht alle Finsternis hell. Dein Wort vertreibt Angst, Sorge, Kleinmut und Verzagtheit. Dies lass uns heute Morgen erfahren, wenn wir zu dir beten, dir singen und dein Wort hören. Dies bitten wir durch Jesus Christus kraft des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 97

1: Der HERR ist König! Die ganze Welt soll in Jubel ausbrechen, selbst die fernsten Inseln sollen sich freuen!
2: Bedrohliche, dunkle Wolken umhüllen ihn, Gerechtigkeit und Recht sind die Säulen seiner Herrschaft.
3: Loderndes Feuer ist sein Vorbote, es verzehrt seine Feinde ringsumher.
4: Seine Blitze tauchen die Erde in helles Licht, die ganze Welt sieht es und erbebt.
5: Berge zerschmelzen vor ihm wie Wachs, vor ihm, dem HERRN der ganzen Welt.
6: Der Himmel ist Zeuge für seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Hoheit und Macht.
7: Alle, die Götterbilder verehren und mit ihren Götzen prahlen, müssen im Erdboden versinken vor Scham. Ja, all ihr Götter, unterwerft euch dem HERRN!
8: Die Menschen auf dem Berg Zion hören es voll Freude, die Bewohner der Städte Judas jubeln dir zu. Denn du, HERR, richtest gerecht.
9: Ja, HERR, du allein regierst die ganze Welt, du bist mächtiger und größer als alle Götter!
10: Liebt ihr den HERRN? Dann verabscheut das Böse! Gott beschützt alle, die ihm die Treue halten, und rettet sie aus der Gewalt der Gottlosen.
11: Wer Gott gehorcht, in dessen Leben wird es hell, und Freude erfüllt jeden, der ihm aufrichtig dient.
12: Ja, freut euch über den HERRN und preist ihn! Denkt daran, was der heilige Gott getan hat!

27.1.2021

Andacht Sonntag 24.1.

Bitte lesen Sie den Text im Buch Rut, Kapitel 1, Verse 1 bis 19.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer lässt sich heute schon darauf ein, den Weg einer anderen Person vorbehaltlos mitzugehen? Viele glauben ja, sie hätten ihren eigenen, sehr speziellen Weg – nach dem Motto „I did it my way“, „ich hab‘ es auf meine Art gemacht“. Sie lassen sich nicht gern hineinreden in ihr Leben und meinen unabhängig von allen äußeren Einflüssen zu sein. Andere wiederum fühlen sich erst stark und auf dem „richtigen“ Weg, wenn sie mit anderen unterwegs sind, die ähnlich denken, ähnliche Meinungen vertreten wie sie selbst. Sie werden mit einer großen Gruppe mitgezogen.

In der Pandemie geht beides teilweise zusammen. Einige leugnen beispielsweise die Krankheit oder zumindest ihre Gefahr, und sie organisieren sich in größeren Protestgruppen, machen sich auf den Weg, gehen gleichsam ihren eigenen Weg und wollen nicht mehr glauben, was alle anderen glauben, fühlen sich als die einzigen, die alles durchschaut haben, auch wenn das alles mit Vernunft, Logik, Einsicht oder Erkenntnis nichts mehr zu tun hat.

Rut und Noomi, ihre Schwiegermutter, sind in einer höchst schwierigen Lage. Sie können in dem Land Moab, in dem sie gelebt haben, nicht mehr bleiben. Noomi entschließt sich, in ihr früheres Heimatland Juda zurückzukehren und dort ihren Alterssitz zu nehmen. Rut aus Moab entscheidet äußerst selbstsicher und konsequent, mit Noomi in das für sie fremde Land Juda mitzugehen. Sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie schließt sich mit Zuversicht der Schwiegermutter an. „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Es klingt wie ein Gelöbnis, was Rut hier zu Noomi spricht. Und in der Gewissheit, mit der Rut das sagt, schwingt mehr mit als das bloße, große Vertrauen zu ihrer Schwiegermutter. Hier klingt die Verbindung zu dem Gott an, zu dem Noomi sich hält und betet. Ruts Entscheidung, in einem fremden Land neu anzufangen, ist im Grunde eine Bekehrungsgeschichte. Sie lässt sich dank ihrer Schwiegermutter auf den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ein. Rut läuft also nicht blind irgendeinem Menschen und seinen womöglich schrägen Ideen oder krummen Wegen hinterher. Rut findet zu Gott, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Gerade auf diesem Weg findet sie aus der Finsternis hinaus zum Licht und zu einem neuen Leben. Sie vertraut also eigentlich zuerst diesem für sie neuen Gott. Gott selbst lässt sie Vertrauen bei ihrer Schwiegermutter Noomi finden.

Rut, von äußerer Not getrieben, von einer großen Zuversicht gelenkt, von ihrem neuen, treuen Gott geleitet, lässt sich nicht auf schräge Wege ein. Sie lässt sich nicht ver-führen auf Wege, die vielleicht in den Abgrund führen könnten. – Man könnte ja mitunter den Eindruck gewinnen, dass diejenigen, die ihren ganz eigenen Weg gehen wollen in der Pandemie, oder die, die sich in einer Gruppe der vermeintlich Erleuchteten oder einfach im Recht wähnen, sich im Grunde gar nicht bewegen; sie sind ja schon längst bei der Wahrheit angekommen, die die vielen anderen nur noch nicht verstanden haben, so ihr Wahn. Wer sich jedoch – mit Gott und den von ihm gesandten Menschen – auf einen Weg begibt, die vermeintlich sicheren Erkenntnisse, die festen Urteile, die unabweisbar richtigen Einsichten verlässt, wer merkt, dass gerade solche Erkenntnisse, Urteile und Einsichten ins Verderben führen, der sieht ein, dass Leben nur im Aufbruch und sich Einlassen auf Neues zu finden ist.

Viele sprechen bereits davon, dass sich unsere Gesellschaft durch die Pandemie verändert und auch weiterhin verändern wird. Wir brechen gerade in Vielem auf zu etwas Neuem, vieles Gewohnte und Liebgewonnene bricht auf oder bricht sogar ab, und viele fragen sich, woran sie sich halten können. Gott bereitet uns den Weg. Er reißt uns nicht nur heraus, sondern er führt uns auch zur neuen Normalität, einer neuen Gemeinschaft mit den Altvertrauten. Rut findet übrigens in ihrer neuen Heimat Juda sogar die Liebe ihres Lebens. Gott wird uns vor den Abwegen der Verschwörungstheorien und der Scharlatane bewahren und uns in Gemeinschaften führen, in denen wir die Energie und Beweglichkeit des Lebens mit Neugier und Mut an uns erfahren.

            Amen. Pastor Jens Petersen

Wenn Sie ein Evangelisches Gesangbuch zur Hand haben, so können Sie Lied Nr. 395 singen.

Gottes Segen für Sie. Bleiben Sie gesund und behütet.

20.1.2021

Kein Gottesdienst bis auf weiteres

Ab Februar 2021 erwarten wir Sie hoffentlich wieder.

9.1.2021

Andacht – 10. Januar

„Wusstest Du heute Morgen gleich, welcher Wochentag ist?“, fragte ich eine Freundin heute per WhatsApp. „Ja…aber es war der falsche“, schrieb sie zurück.

Mein Gefühl für Zeit hat sich in den letzten Monaten verändert. Vieles, was meinem Leben bisher einen festen Rhythmus gegeben hat – regelmäßige Termine – findet zur Zeit gar nicht oder ganz anders statt. An manchen Tagen werden die Stunden nur so weggepustet, an anderen hängen sie bleischwer in der Luft. Der Februar 2020, als alles noch „normal“ war, scheint ewig lang her zu sein. Eigenartig ist es auch, nach vorne zu schauen und überall nur Fragezeichen zu sehen. Wann endet der Lockdown? Werde ich Geburtstag feiern können? Was wird an Ostern möglich sein?

Nicht planen zu können ist anstrengend, manche Menschen macht es regelrecht nervös, weil es sich anfühlt, als würde einem die Zeit aus den Händen gleiten. Dabei gehört die Zeit ohnehin nicht mir, sosehr ich auch versuche sie zu (be)greifen und festzuhalten. Die Zeit liegt in Gottes Händen und da liegt sie gut. Er schenkt mir jeden Morgen genau einen neuen Tag. Und am nächsten wieder einen. Das macht mich dankbar und innerlich leicht. Und ich summe beim morgendlichen Kaffee das Kirchenlied:

Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir. Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater, du wirst bei mir sein. Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag,

Ihre Pastorin Hanna Jacobs.

[unter folgendem Link können Sie das Lied anhören:

https://www.youtube.com/watch?v=5XaMnkD7lYs ]

2.1.2021

Andacht – 3.1.2021

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

Kinder und Jugendliche, auch junge Erwachsene, sind von der Pandemie in besonderer Weise betroffen. Schule, Freizeit, Freunde, Feiern, das alles findet, wenn überhaupt, anders statt als gewohnt. Welche Auswirkungen die Einschränkungen auf die Entwicklung von Kindern, auf das Leben junger Erwachsener haben, lässt sich noch schwer absehen. Manche kommen recht gut durch diese Zeit, anderen ist anzusehen, dass sie sich schwer damit tun.

Manche Kinder aber entwickeln Ideen, die anderen helfen sollen, und setzen sie um. Sie entfalten Kräfte, die viele ihnen nicht zugetraut hätten. Sie können sogar noch andere von ihren Ideen überzeugen und zum Mitmachen animieren.

In schwierigen Zeiten Neues zu ersinnen und etwas Sinnvolles zu machen, ist nicht so einfach. Es bedarf einer inneren Überzeugung, eines Beharrungsvermögens und einer Durchsetzungskraft, die manche vielleicht vor den Kopf stößt. Der zwölfjährige Jesus im Tempel, wie der Evangelist Lukas ihn darstellt, geht schon seinen eigenen Weg, hat seinen eigenen Kopf. Wir, die wir diese Erzählung aus dem 2. Kapitel des Evangeliums (Verse 41 bis 52) lesen, wissen, dass der Weg, das Sinnen und Trachten des jungen Jesus nicht von ihm selbst gesteuert sind, sondern voll und ganz auf Gottes Weisung zurückgehen. Schwierig für die Eltern, Maria und Josef, seinen Ziehvater. Sie müssen begreifen: Sie haben nicht mehr denselben Weg wie Jesus. Er geht, ohne es mit den Eltern abzusprechen, einfach in den Jerusalemer Tempel und diskutiert dort mit den Gelehrten über die Auslegung der Heiligen Schriften. Als die Eltern ihn endlich nach drei Tagen finden, kommt es zu einem denkwürdigen Gespräch, bei dem Jesus ihnen erklärt, dass er seinem Vater nahe sein müsse. Ein Schock für die Eltern: Jesus setzt sich klar von ihnen ab. Der Weg Jesu führt zunächst zu seinem Vater, dann doch – versöhnliches Ende der Erzählung – zu seinen Eltern nach Nazareth und schließlich zu den Menschen, zu denen er durch den Vater im Himmel gesandt ist. Dieser Weg soll die Menschen von Mühen und Lasten befreien und sie für das öffnen, was ihnen wirklich hilft und wirklich wichtig ist für sie.

Um in schwierigen Zeiten nicht den Kopf hängen zu lassen, auf Hilfreiches und Veränderndes zu kommen, müssen Menschen die eingefahrenen Wege verlassen. Wir müssen uns mitunter von unseren Lieben entfernen, distanzieren, damit wir hinterher umso liebevoller, umso zuversichtlicher auf sie zu gehen können. Erst in einer gewissen Abgeschiedenheit, wenn wir gleichsam Einkehr mit uns selbst und Gott halten, kommen wir auf neue, erlösende Gedanken. Dann stellen wir manchmal auch die Gemeinschaft, die uns so wichtig ist, auf neue Füße.

Gehen wir mit Jesus in eine neue Zeit. Lassen wir uns von ihm den Weg in eine neue, liebevolle, unterstützende, trostvolle Gemeinschaft zeigen, in der wir Nähe erleben, aber auch Distanz erlauben und als fruchtbringend begrüßen.          Amen

Wenn Sie mögen, können Sie folgende Lieder aus dem Gesangbuch singen:

Von guten Mächten treu und still umgeben – Evangelisches Gesangbuch, Nr. 65

O du fröhliche – Evangelisches Gesangbuch, Nr. 44

Pastor Jens Petersen

30.12.2020

Andacht zum Jahreswechsel 2020 – 2021

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

auch der Jahreswechsel findet – wie schon Weihnachten – unter erschwerten Bedingungen statt. Konnten viele schon nicht das Fest der Geburt Jesu mit allen ihren Lieben feiern, so müssen wir zu Silvester auch wieder weitgehend Verzicht leisten. Ausgelassene Feste mit Familie und Freunden sind nicht möglich.

Doch einer führt uns durch die schwere Zeit und lässt uns mit „guten Mächten“ verbunden bleiben, die uns Gemeinschaft auch mit Abstand, Zuwendung auch aus der Distanz erfahren lassen.

Dietrich Bonhoeffer schrieb 1944 zur Jahreswende ein Gedicht, das schnell vertont wurde und mittlerweile zu den bekanntesten Kirchenliedern zählt:

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“

Hier steht ein Mensch anderen gegenüber, die er anspricht. Er ist getrennt von ihnen, weiß nicht, wann und ob überhaupt er sie wiedersehen kann. Doch er fühlt sich gewiss inmitten von Kräften, die ihm Schutz und Trost geben. In diesem Schutz, in dieser Hut, fühlt er sich seinen Lieben inniglich verbunden. Nichts kann sie auseinanderbringen, obwohl sie nicht nahe beieinander sein können. Er ist bereit, in eine unbekannte Zukunft zu gehen, Veränderungen anzunehmen, obwohl er nicht weiß, was sie ihm bringen werden.

Gott, gib uns die Gewissheit, dass du mit deinen Kräften um uns bist, uns beschützt und stärkst, damit wir uns in dir mit unseren Lieben immer verbunden wissen. Lass uns Unbekanntes interessiert aufnehmen, auf Neues mutig zugehen und geduldig tragen können.

„Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach, Herr, gib unseren aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.“

Hier reiht sich der Singende oder Sprechende ein in die Gemeinschaft mit den anderen und steht Gott gegenüber und spricht ihn an. Er erinnert sich und uns alle daran, dass wir doch eigentlich längst in der Gnade und dem Heil Gottes stehen, so schlimm es auch um uns herum oder in uns selbst aussieht. Die letzte Zeit ist gewiss nicht einfach, eben kein Spaziergang, für uns gewesen. Nun ist die Rede von Veränderungen, die Impfstoffe bringen sollen, aber viele müssen die Schädigungen durch die letzten Monate erst noch beseitigen und sind damit ganz und gar beschäftigt. Lasten drücken weiter, da fällt es schwer, eine heile Zukunft zu sehen.

Gott, gib uns die Gewissheit, dass du uns dein Heil bringst, in dem wir auch jetzt schon längst stehen und gehen. Ändere unseren Blick durch deine Gaben und Kräfte, lass uns in deiner Gegenwart das Vergangene aus deiner Hand nehmen und uns ruhig, ohne Angst in die von dir heraufgeführte Zukunft miteinander gehen.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Hier scheinen auf einmal alle zu singen und zu sprechen. Einmütig, getröstet, ohne Schrecken, mit Gelassenheit und Zuversicht gehen sie in die Zeit. Sie können gemeinsam, mit der Hilfe Gottes, sich von der drückenden Vergangenheit weg einer Zukunft zuwenden, von der sie gewiss und zuversichtlich sind, dass sie sie gemeinsam mit Gott bewältigen. Gott stattet sie gemeinschaftlich mit einer Resilienz, einer Widerstandskraft, aus, die ihnen ermöglicht, an Gottes Gaben und Verheißungen festzuhalten, auch wenn sie sich einmal ganz verlassen fühlen. Sie singen sich, einander und anderen mit dieser von Gott gegebenen Widerstandskraft den Mut zu, dessen es bedarf, damit sie nach Gottes Willen einander beistehen, helfen und Geborgenheit geben – auch unter schwierigen Bedingungen.

Gott, gib uns Gewissheit und Gelassenheit, damit wir aus deiner Hand getrost und wohlgemut empfangen, was du uns zukommen lässt. Lass uns alle Tage nach deinem Versprechen leben, dass unsere Zeit ganz in deinen Händen steht. Gib uns feste Gemeinschaft, festes Vertrauen, unerschütterliche Zuversicht. Lass uns untereinander eine Liebe erfahren, die in diesen Zeiten Grenzen überwindet und sich öffnet für ungeahnte, schöne Möglichkeiten. Amen.

Pastor Jens Petersen

23.12.2020

Video Krippenspiel und Weihnachtsandacht

Unsere Gemeinde hat sich aufgrund der aktuellen Corona-Lage schweren Herzens dazu entschieden, die bereits angekündigten Gottesdienste zum diesjährigen Weihnachtsfest abzusagen. Um dennoch das bereits geplante und einstudierte Krippenspiel ansehen und an einer Andacht teilnehmen zu können, haben wir die folgenden beiden Videos erstellt, mit denen wir alle virtuell in unsere Epiphanias Kirche einladen. Wir wünschen trotz der vorherrschenden Beschränkungen auf diesem Wege ein frohes Weihnachtsfest.

18.12.2020

Gottesdienst entfällt Heiligabend und Weihnachten

  • Die Andachten und Gottesdienste an Heiligabend und am 1. Weihnachtstag finden nicht statt.

In den letzten Monaten haben wir sorgsam geplant und uns viele Gedanken gemacht, wie wir Weihnachten unter Corona-Bedingungen sicher und fröhlich feiern können.

Doch in den letzten Wochen sind die Infektionszahlen weiter gestiegen, die Regierung hat einen zweiten Lockdown verhängt und wir sind aufgerufen, nur im engsten Familienkreis Weihnachten zu feiern. Obwohl Gottesdienste weiterhin gesetzlich erlaubt sind, haben wir uns daher am 18.12.2020 schweren Herzens zu diesem Schritt entschieden.

Das heißt allerdings nicht, dass Weihnachten ausfällt! In den nächsten Tagen finden Sie zwei Gottesdienste für zuhause auf YouTube: einen familienfreundlichen Gottesdienst mit Krippenspiel und einen festlichen Predigtgottesdienst.

Sie haben kein Internet? Melden Sie sich im Gemeindebüro, dann bringen wir Ihnen einen Gottesdienst zum Lesen nachhause, den Sie an Heiligabend allein oder mit der Familie feiern können.

Eine aktuell vorbereitete Weihnachtsandacht bietet außerdem der Stadtkirchenverband Hannover,  Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes, per Telefon an. Wählen Sie die Rufnummer: 0511-3643777.

Wir sind in unserem Glauben an Jesus Christus miteinander verbunden, auch wenn wir Weihnachten dieses Jahr zuhause in unseren Wohnzimmern feiern statt in der Kirche.

Gott segne Sie und schenke Ihnen ein frohes Weihnachtsfest – trotz Corona. Gott erhalte Sie gesund und behüte Sie. Auf dass wir uns im nächsten Jahr wiedersehen!

Pn H. Jacobs – P. J. Petersen 

16.12.2020

Adventsmomente

Dieses Jahr findet der Advent vor allem zuhause statt. Im Wohnzimmer, vor der Haustür oder bei einem winterlichen Spaziergang. Auch wenn wir uns nicht treffen können, wollen wir einander doch daran teilhaben lassen, wie wir diese Wochen verbringen.

Daher haben Menschen aus den Gemeinden Epiphanias und Titus Fotos gemacht von ihren persönlichen „Adventsmomenten“.

10.9.2020

Gottesdienst mit Corona-Regeln

Bitte beachten Sie bei den Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen die besonderen Abstands- und Hygiene-Regeln. Die nachstehende Anwesenheitsdokumentation muss für jede Veranstaltung ausgefüllt vorliegen. Bitte drucken Sie sie aus und bringen Sie sie ausgefüllt mit. Damit ersparen Sie sich evtl. Wartezeiten am Eingang.

Anwesenheitsdokumentation CoViD-19   (als PDF zum Download).

Wenn Sie keinen Drucker haben, ist es natürlich auch möglich, den Bogen bei uns im Gemeindehaus auszufüllen.

Wir freuen uns, dass Sie in unsere Kirchengemeinde kommen.