Quasimodogeniti

Predigt-Impuls zum 1. Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti) –
Diakon Manfred Büsing

Jesaja 40, 26-31
26: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27: Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
28: Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29: Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
30: Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
31: aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Die Kraft und der Segen des Auferstandenen sei mit uns Allen. In diesem Moment und für alle Zeiten und auch in der Ewigkeit. Amen

Liebe Gemeinde.
Es geht also weiter. Mit der Osterbotschaft. Mit neuem Leben nach Sterben und Tod. Mit Frühlingserwachen und einem sonnig-blauen Himmel. Und – es geht weiter mit Ausgangsbeschränkungen, Besuchsverboten. Mit absolut erschöpften Menschen in Pflege und Medizin. Und es geht weiter mit schwerer Krankheit, Sterben und Tod.
Ja, was denn nun? Alles so eng beieinander. Glaube und Zweifel. Frohe Botschaft und Schreckensnachricht. Lockerung und Erstarrung. Österlicher Frieden und häusliche Gewalt. Das Schauen und Wahrnehmen von beiden Seiten macht mich müde. Glaubenskraft schwindet, Ich werde matt – und die Gefahr des Strauchelns und Fallens ist groß. Da bin ich aktuell ziemlich drin – in diesem alten Jesaja-Predigttext. Oder im heutigen Sonntags-Evangelium (Johannes 20, 19-29). Da zeigt sich Jesus nach seiner Auferstehung den ängstlich-verzagten Jüngerinnen und Jüngern. Er spricht mit ihnen, isst mit ihnen und zeigt seine Nägelmale. Und der sogenannte ungläubige Thomas darf später sogar seine Hände in die Wunden legen. Und Jesus lässt diese unglaubliche Nähe zu. Keine Schutzmaske. Keine Ansteckungsgefahr. Sich in Jesus, sich in Gott hineinlegen. Au und ja – das wünsche ich mir. Da finde ich mich wieder.
Gott sei Dank gibt es auch weiterhin verlässliche Geduld und Nachsicht mit mir. Aber ebenso Fragen: Weißt Du nicht? Hast Du nicht gehört? Ist es Dir entgangen, dass Gott nicht müde und matt wird? Dass der Schöpfer dieser Welt präsent bleibt – allerdings mit unausforschlichem Verstand. OK – ich will es gern erneut und erneuert versuchen: Auf den Herrn zu harren.
Ich erinnere mich an Worte von Frère Roger aus Taizé. Er sagte: „Glaube beginnt schon, wenn du zweifelst und Fragen stellst. Schon eine Frage ist Gebet. Du bist in Kontakt mit Gott.“ Im heutigen Sonntagsevangelium steht: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh. 20,29) Wahrscheinlich brauche ich noch etwas Zeit. Zum Harren und Hadern. Doch der österliche Wandel liegt in der Luft. Ein Hauch. Ein Hauch Gottes. Damals wie heute. Wandlung und mit neuer Kraft weiter. Es müssen ja nicht gleich Adlerflügel sein. Ein bisschen nachösterlicher Aufwind würde mir schon reichen. Und ja – Himmelfahrt und Pfingsten schimmern schon ein wenig durch. Und eine Zeit nach Corona.
Danke Gott für Deine Nähe und Gegenwart. Für Deine Geduld und Nachsicht. Für Deine Ermahnungen und Ermutigungen. Bleib Du mit Deiner Kraft und Deinem Segen bei uns. Amen – Ja, so sei es.

Sie können mich gern unter info@manfredbuesing.de für Resonanzen etc. per Mail erreichen.