Der rosarote Freudensonntag! – LÄTARE, 14. März 2021

Lesung aus Johannes 12, 20-24

Es befanden sich auch einige Griechen unter denen, die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren, um Gott anzubeten. Die gingen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: »Herr, wir wollen Jesus sehen!« Philippus ging zu Andreas und sagte es ihm. Dann gingen die beiden zu Jesus und berichteten es ihm. Da sagte Jesus zu ihnen: »Die Stunde ist gekommen! Jetzt wird der Menschensohn in seiner Herrlichkeit sichtbar. Amen, amen, das sage ich euch: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht

Impuls

Welche Farbe hat dein Glaube? Für Julian muss der Glaube unbedingt blau sein, hell und weit wie der Himmel. Jenny sieht ihren Glauben in Rot, wegen der Liebe und Gott ist doch die Liebe. Für mich ist der Glaube gelb, sonnengelb. Wie die Sonne und die Sonnenblumen, strahlend, wärmend, glänzend.

Welche Farbe hat dein Glaube? In der Kirche kennen wir die verschiedenen liturgischen Farben. Mit ihnen gehen wir durchs Kirchenjahr. Weiß steht für die Anwesenheit Gottes, für die großen christlichen Feiertage Weihnachten und Ostern. Im Sommer, wenn alles wächst und reift, dann „grünt“ es auch in den Kirchen! Und wenn die Kirche „Rot sieht“, dann sprüht sie über vom Heiligen Geist: An Pfingsten oder am Reformationstag legt die Kirche Rouge auf, die Farbe der Energie und der Kraft. Schwarz gibt es nur an einem Tag –Karfreitag. Und noch eine Farbe kommt –wenn überhaupt –bei uns nur ein einziges Mal vor. Rosa.

Rosa ist die Farbe dieses Sonntags Lätare: „Freue dich!“ Heute also ist der Glaube rosa. Ob die Menschenmenge in Jerusalem auch die rosarote Brille aufhatte oder nicht doch eher Rot sah, weil Jesus in der Stadt war, weiß man kaum zu unterscheiden. Er kam zum Passahfest wie Tausende andere auch. Doch war es sofort anders: Großer Einzug. Grüne Zweige. Rote Wangen vor Eifer und Freude. Alle wollten ihn sehn. Ganz Clevere versuchten, über die Jünger an ihn ranzukommen. Wollten einen Nachweis seiner göttlichen Vollmacht. Suchten wohl nach Zeichen und Wundern. Stattdessen gab er ihnen Rätsel auf, denn Jesus spricht in Bildern: „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Seltsam… Welche Farbe hat der Glaube? Weizenkörner sind braun, hellbraun oder gold-gelb, wie man ́s nimmt.

Wenn das Weizenkorn erstirbt und Frucht bringt. Wenn aus Körnern ein Brot wird; aus vereinzelten Menschen eine starke Gemeinschaft, die Frucht bringt und Leben und Liebe. Wenn Gott in das Leben der Menschen kommt, wenn sich Weiß als die Farbe Gottes unter das Rot, das Blut der Menschen mischt, wird es hell, rosa. Darum ist dies die Farbe des Sonntags. In der Mitte der Passionszeit mischt sich ein erster Oster-Funken in die Wut, den Eifer und die Sorge der Gläubigen hinein, ja auch in ihre Einsichten, ihre Tief- und Abgründe, ihre Trauer, ihre Verluste und in ihre Kraft. Gott weiß, was es bedeutet, Mensch zu sein –in allen Farben des Lebens. Er weiß, was es heißt, im sonnengelben Stroh zu liegen, von grünen Zweigen empfangen zu werden, aber auch in glühende Gesichter zu schauen, die Rot sehen, ihre blauen Lippen schreien und klagen zu hören; Gott weiß, wie es ist, wenn dir schwarz vor Augen wird. Gott weiß, dass er sterben muss, damit wir leben und glauben können. So macht er unser Leben hell. Von Blutrot, ins himmelblau gefärbte Lila zum blassgöttlichen Rosa. Bis auch wir eines Tages ganz im Glanz der Sonne aufgehen und unsere Westen endgültig weiß sind.

Welche Farbe hat dein Glaube? Es ist nicht selbstverständlich, so etwas Inneres, ja fast Intimes wie den Glauben mit so äußerlichen Merkmalen auszudrücken. Aber in allen unsere Farben mischt sich der Glanz, der von Eden aufbricht, Morgenglanz der Ewigkeit. Und wir mittendrin. Unser Leben ist schon durchzogen von Gottes Glanz. Freue dich! Freut euch alle! Denn ein sterbendes Weizenkorn bringt viel Frucht in all unsere Farben des Glaubens.

Lied: Korn, das in die Erde (EG 98)