Andacht Rogate am 9. Mai

Andacht zu Daniel 9, 4-5+16-19 am Rogate-Sonntag, den 09.05.2021

4 Ich betete aber zu dem HERRN, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! 5 Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen…….. 16 Ach, Herr, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berg. Denn wegen unserer Sünden und wegen der Missetaten unserer Väter trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her wohnen. 17 Und nun, unser Gott, höre das Gebet deines Knechtes und sein Flehen. Lass leuchten dein Angesicht über dein zerstörtes Heiligtum um deinetwillen, Herr! 18 Neige deine Ohren, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. 19 Ach, Herr, höre! Ach, Herr, sei gnädig! Ach, Herr, merk auf und handle! Säume nicht – um deinetwillen, mein Gott! Denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt.

Liebe Leserinnen und Leser!

Wenn jemand sein Geld schlecht verwaltet und seine Miete und anderen Kosten nicht mehr bezahlen kann, wird er oder sie obdachlos. Dann sagt man „Selberschuld“. Wenn ein Kind an einer unheilbaren Krankheit leidet, sagt man „das ist Schicksal“. Im Geflecht von Schicksal und Schuld, das einen Menschen am Ende in eine sehr schwierige Situation bringen kann, lässt sich das Knäuel des Lebensfadens vermutlich ohnehin nicht mehr entwirren. Möglicherweise fragt man sich: War es das Schicksal, was mich hierhergebracht hat, oder war es meine eigene Schuld? Oder eine Mischung aus beidem? In unserem Predigttext aus dem Buch Daniel im 9. Kapitel ist die Rede von Schuld und Schicksal.  Der Verfasser erzählt eine Geschichte einer Katastrophe, die die Israeliten erlebt haben und über die Lösung ihres Problems. Im zweiten Jahrhundert zerstörte der griechische Herrscher Antiochus IV die Stadt Jerusalem, plünderte den Tempel und entweihte ihn durch Zeus Statue. Die Israeliten, die das erlebt haben, fragten: Ist das unsere Sünde oder unser Schicksal? Da antwortet der Verfasser und sagt: Die Sünde des Volkes zerstörte ihre Beziehung zu Gott und untereinander.  Um ihre Gemeinschaft mit Gott und untereinander wiederherzustellen, müssen alle sich auf Gott verlassen und ihn anbeten. Der Prophet Daniel selbst betet mit folgenden Worten und sagt: „neige unser Gott dein Ohr und höre unsere Gebete. Offene deine Augen und sieh unsere Verwüstung und Stadt, über der dein Name ausgerufen ist. Wir bringen unsere Gebete vor dir nicht wegen unserer gerechten Taten, sondern wegen deiner großen Barmherzigkeit“

Die Kernaussage in diesem Gebet lautet: „Wir vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit“.  Nun kann man viel über das Gebet sprechen und immer wieder betonen, wie gut das ist. Wie gut es einem auch selber tut; wie wichtig es für die Beziehung zu Gott ist. Das nutzt aber nichts, wenn man nicht betet. Jeder Mensch soll wahrnehmen was sie/ihn bewegt. Sie oder er soll sich fragen: Was belastet mich? Worüber bin ich glücklich? Solche Wahrnehmung des eigenen Lebens ist der erste Schritt zu einem Gebet. Solch ein Gebet braucht keine Worte.

Durch ein solches Gebet können wir den Kontakt zu einem Menschen oder zu Gott halten, damit es einen Anker gibt, wenn alles andere sich gegen einen zu verschwören scheint. Der Ankerpunkt oder der wichtigste Satz aus dem Text lautet: „Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“

Diese Barmherzigkeit wünsche ich uns allen, wenn wir es brauchen. Auch wünsche ich unserer Welt, dass wir diese Barmherzigkeit Gottes weitergeben können an diejenigen, die Sie brauchen: für Obdachlose, für die von schwerer Krankheit leidenden, für die von Schuld beladenden oder von geistlicher Krankheit betroffenen. Gottes Barmherzigkeit ist viel großer als alle Ungerechtigkeit der Welt. Gott helfe uns allen immer wieder die Sehnsucht nach Gottes Barmherzigkeit zu suchen. Gott gebe uns Worte und Wille damit wir in der Gemeinschaft mit ihm und mit anderen Menschen leben können. Amen!

Ihr Pastor Benti

Psalm 95:1-7a   

Kommt, lasst uns dem HERRN zujubeln! Wir wollen ihn preisen, den Fels, bei dem wir Rettung finden! Lasst uns dankbar zu ihm kommen und ihn mit fröhlichen Liedern besingen! Denn der HERR ist ein gewaltiger Gott, der große König über alle Götter! In seiner Hand liegt alles – von den Tiefen der Erde bis hin zu den Gipfeln der höchsten Berge. Ihm gehört das Meer, er hat es ja gemacht, und seine Hände haben das Festland geformt. Kommt, wir wollen ihn anbeten und uns vor ihm beugen; lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer! Denn er ist unser Gott, und wir sind sein Volk. Er kümmert sich um uns wie ein Hirte, der seine Herde auf die Weide führt.

Fürbitten

Barmherziger Gott, wir schauen in unsere Welt und erkennen: Oft fehlen Liebe und Barmherzigkeit. So fragen wir uns manchmal: Haben Unrecht und Gewalt immer das letzte Wort?

Wir kommen mit unserem Gebet zu dir, weil wir dir in den Ohren liegen wollen mit vielem, was uns bewegt und bedrückt.

So bitten wir dich für die Flüchtenden in aller Welt. Hilf, dass die Mächtigen ihnen nicht mehr Gewalt antun, sondern ihnen sichere Orte zum Leben geben. Öffne unsere Herzen für die, die unsere Hilfe brauchen.

Wir bitten dich für alle, die politisch verfolgt werden. Hilf, dass ihre Botschaft gehört und respektiert wird. Hilf, dass Diktaturen ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Öffne unser Denken, dass wir offen werden für andere.

Wir denken an diejenigen, die unter uns krank sind und sich einsam fühlen. Hilf, dass sie die Hoffnung nicht verlieren und sich Geduld bewahren. Öffne unsere Herzen für die, die unsere Zuwendung brauchen.

Wir denken auch an uns selber, an unsere Familien und Freunde. So vieles bewegt uns in diesen Tagen. Stärke unseren Mut und lass nicht zu, dass wir uns oder andere aufgeben. Öffne unsere Sinne für Zeichen deiner Gegenwart.  So stärke uns, barmherziger Gott, an allen Orten, an denen wir leben.

Andacht Jubilate am 25. April

22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.23Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.24Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.25Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.26Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen,27dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.28Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.29Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.30Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun.31Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.32Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören.33So ging Paulus weg aus ihrer Mitte.34Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen (Apostelgeschichte 17, 22-34).

Liebe/r Leserinnen und Leser,

In jeder Kultur gibt es eine Vorstellung von Gott. Weil niemand Gott sehen kann, versucht man in verschiedenen Kommunikationsmethoden Gott darzustellen, um dadurch an Gott heranzukommen. Einige erzählen Geschichten, Mythen, andere erstellen künstlerische Abbildungen und wieder andere haben Rituale wie Opfergabe und Gebete. Oft versteht man nur die Darstellung seiner eigenen Kultur und hat Vorurteile gegenüber der Darstellung der anderen Kulturen. – Missionare, die nach Afrika reisten, hatten ebenfalls Vorurteile gegenüber der Gottes Darstellung der afrikanischen Kulturen. Sie waren der Meinung, dass afrikanische Völker von dem „wahren Gott“ wenig Ahnung hatten weshalb sie die Darstellung und Rituale ihrer Kultur mitbrachten und als die richtige vorstellten. Oft wurden die afrikanischen Religionen als Hexerei beschrieben.  Solche Vorurteile waren und sind die Ursache für jegliche religiöse Konflikte der Welt. Um diesen Missverständnissen zu klären haben moderne Theologie- und Religionswissenschaftler geforscht und sich verständigt, dass Gott in jedem Volk und in jeder Kultur sich offenbart hat.

Das bestätigt der heutige Predigttext aus der Apostelgeschichte 17. Hier wird erzählt: Paulus kam während seiner 2. Missionsreise in Athen an, machte einen Stadtrundgang, sah verschiedene Ältere mit Bildern und Schriften der Götter des griechischen Volks. Auf einen Altar steht eine Schrift, die lautet: „Dem unbekannten Gott“. Für Paulus war diese Schrift ein Ausgangspunkt, um das Evangelium zu verkündigen. „Dem unbekannten Gott“ der Griechen verbindet er mit christlicher Lehre oder Christologie und sagt: „nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist…. Der unbekannte Gott ist der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind“.  Wir Menschen sind Gottesgeschlecht, aber wir meinen nicht die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

Dieser Gott hat einen Gerichtstag festgesetzt, um mit Gerechtigkeit durch seinen Sohn Jesus Christus alle Menschen zu richten. Aber bevor der Gerichtstag kommt, hat Gott den Glauben angeboten, indem er Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Diese Botschaft bedeutet für jede Frau und jeder Mann: ich komme an Gott heran, nicht durch eigene Anstrengungen, nicht durch meine Leistungen und Rituale, sondern allein durch den Glauben, allein dadurch, dass ich Jesus vertraue. Möge Gott uns einen festen Glauben geben, um uns auf ihn zu verlassen.                      Ihr Pastor Benti

Andacht zum 18. April

Offene Kirche am Sonntag, Miserikordias Domini

(Bedeutung: Die Barmherzigkeit des Herrn)

Psalm 23:

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 Andacht

Die schlechten Hirten und der rechte Hirt

1 Und des Herrn Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 10 So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. 11 Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. 31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

(Hesekiel, 34, 1-2, 10-16,31)

Wem vertraue ich mich an? Wem gebe ich Macht über mich? Wer die Vertrauensfrage stellt, stellt die Machtfrage. Deutlich wird das etwa dann, wenn im Deutschen Bundestag der Kanzler oder die Kanzlerin die Vertrauensfrage stellt. Hat er oder sie genug Parlamentarier hinter sich, bleibt er oder sie im Amt; wenn nicht, geht die Macht verloren. Wer die Vertrauensfrage stellt, stellt die Machtfrage.

Das gilt nicht nur in der Politik. Wem ich vertraue, dem öffne ich mich. Manchmal sagt jemand vielleicht: „Ich lege mein Schicksal in Ihre Hände!“ Und blickt auf den Arzt, von dessen Heilkunst sein Leben abhängt. Das Vertrauen, das ich jemandem entgegenbringe, kann aber auch missbraucht werden. Davon handelt der Anfang der Worte des Propheten Hesekiels: „Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden!“ Getadelt werden da jene Regierenden im alten Israel, die nur auf sich selbst, nicht aber auf das Volk geachtet haben. Diese falschen Hirten werden heftig kritisiert, weil sie mit der Behauptung, sie seien gute Hirten, das Volk ins Verderben geführt haben.

Die Lebenswelt von Hirten und Herde ist heute fern gerückt. Sie taucht eher zufällig auf, wenn jemand einer Schafherde auf der Wanderschaft begegnet. Auch lässt sich kaum jemand gerne als „lammfromm“ und „dumm wie ein Schaf“ bezeichnen. Und doch hat das Bild vom guten Hirten, der achtsam mit seiner Herde umgeht und sie auf eine „grüne Aue“ und „zu frischem Wasser“ führt, etwas ungemein Anziehendes. Sehnsucht nach Geborgenheit wird angerührt: „Ich möcht, dass einer mit mir geht, der’s Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Ich möcht, dass einer mit mir geht.“ (EG 209,1.) Der 23. Psalm fasst das anrührend in Worte: „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.“ „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“

Wer die Vertrauensfrage stellt, stellt die Machtfrage. Wem ich vertraue, dem gebe ich immer auch Macht über mich. Das macht das Vertrauen so schwierig; die Macht kann ja missbraucht werden, dafür gibt es unendlich viele Beispiele. Ist Misstrauen dann nicht gut? Ist es nicht besser, selbst Macht und Kontrolle über mich auszuüben? Aber jeder Mensch braucht doch jemanden, dem er vertrauen kann! Niemand kann alles alleine regeln.

Die Anonymen Alkoholiker sind Menschen, die sich zusammengetan haben, um ihre Alkoholsucht zu bekämpfen. Sie treffen sich regelmäßig zu Gruppengesprächen. Niemand muss sich dabei namentlich zu erkennen geben, es geht nur um die Ehrlichkeit gegenüber der eigenen Abhängigkeit. Der Alkohol, der vorübergehend Angst und Sorge vertreibt, ist für sie der falsche Hirte, der ins Verderben führt. Sie geben auf die Vertrauensfrage diese Antwort: „Für den Sinn und Zweck unserer Gruppe gibt es nur eine höchste Autorität – einen liebenden Gott, wie Er sich in dem Gewissen unserer Gruppe zu erkennen gibt“. Eine bestimmte Religion ist damit nicht gemeint, aber der Glaube an den liebenden Gott macht die Mitglieder dieser Gruppe so stark, dass sie auf Alkohol verzichten. Die Alkoholsucht ist damit nicht vorbei, auch Mitglieder der Anonymen Alkoholiker haben Rückfälle. Aber der gemeinsame Glaube an den liebenden Gott hilft ihnen, die Rückfälle zu überwinden und der Weg zurück in ein alkoholfreies Leben zu finden. Der liebende Gott nimmt Menschen eben immer wieder an, wenn sie zu ihm zurückwollen, und hält ihnen keine Moralpredigt. Er kennt sie schließlich, und seine Liebe ist viel stärker als alles, was Menschen tun können. Die Anonymen Alkoholiker erleben das nicht als fromme Worte, sondern als wirkliche Kraft und Hilfe im Kampf gegen ihre Sucht.

Der Erfolg der anonymen Alkoholiker kommt daher aus dem Vertrauen in einen Gott, über den Hesekiel sagt: 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken. Dieses Vertrauen richtet sich für Christen an Jesus, der als Mensch gelebt hat. Jesus hat gesagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“ Gott schenke uns allen dieses Vertrauen in ihn und die Kraft, es in Demut und Dankbarkeit an unsere Mitmenschen weiterzugeben.

Fürbitten

Gott, wir danken Dir, dass Du jeden Menschen als guter Hirte durch das Leben begleiten willst. Schenk den Glauben und das Vertrauen, Deine Liebe zu sehen und anzunehmen.

Gott, schütze jeden von uns davor, sich falschen Hirten zuzuwenden. Verlass keinen, der einen Irrweg beschreitet und nimm ihn wieder an, wenn er zu Dir zurückkehren will.

Gott, schenke uns Liebe, Geduld und Weisheit, für Menschen in Not in unserer zum guten Hirten zu werden.

Gott, schenke uns Liebe und Demut, schütze vor Überheblichkeit dem Nächsten gegenüber. Lass uns daran denken, dass alle Menschen aus Deiner Gnade leben.

Wir beten das Vaterunser.

Irmgard Schulz

Digitales Senior*innen-Treffen

Wir laden Sie wieder herzlich zu einem Video-Treffen im Internet ein, das Sie über den folgenden Link vom Smartphone, Tablet oder Computer erreichen können:

SAZ digitales Treffen 14042021

Wir würden uns sehr freuen, Sie zumindest auf dem Bildschirm mal wieder zu sehen.

Ute Lückert

Unser Praktikant aus dem Süden

Mein Name ist Jakob Güntter und ich werde vom 17.3.- 11.4. ein Praktikum in der Epiphanias-Gemeinde machen. Hier möchte ich mich gerne kurz vorstellen.

Seit einem Jahr studiere ich in Heidelberg evangelische Theologie mit dem Ziel, Pfarrer zu werden. An der Uni bin ich allerdings schon länger, zuerst habe ich einen Bachelor in Geschichte und Theologie gemacht. Dabei habe ich meine Leidenschaft für Theologie und meine Faszination für die vielseitigen Aufgaben des Pfarrberufs entdeckt und deshalb beschlossen, ein Pfarramtsstudium anzuschließen.

Obwohl ich in einem Pfarrhaus aufgewachsen bin, bin ich über Umwege zur Theologie gekommen. Vor dem Studium habe ich erst ein Jahr lang in den Niederlanden ein FSJ gemacht und mit Obdachlosen gearbeitet. Anschließend war ich in Frankreich, wo ich eine längere Zeit in der Gemeinschaft von Taizé gelebt habe. An beiden Orten habe ich sehr unterschiedliche Formen von gelebtem Christentum erfahren, weswegen ich mit dem Theologiestudium mein Verständnis der Glaubensinhalte und ihrer Geschichte vertiefen und gleichzeitig herausfinden wollte, an welchem Ort und wie ich meinen Glauben leben möchte. Dabei ist mir klar geworden, dass mein Bild vom Pfarramt einseitig war und ich mir den Pfarrberuf mit seinen vielen unterschiedlichen Facetten sehr gut vorstellen kann.

Neben dem Studium mache ich gerne Musik, engagiere mich in der ESG (Evangelischen Studierendengemeinde)  und beim Kirchentag und lebe mit den verschiedensten Projekten meine Kreativität aus.

Ich freue mich sehr auf das Praktikum in der Epiphanias-Gemeinde und darauf, die Gemeinde kennenzulernen. Ursprünglich komme ich nämlich aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald. So habe ich das Gemeindeleben in einer württembergischen Kleinstadt kennengelernt und freue mich jetzt auf die Großstadt im Norden!

Andacht zum Palmsonntag, 28.3.

„Am nächsten Tag hörte die große Menge, die sich zum Fest in der Stadt aufhielt: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige und liefen ihm entgegen. Sie riefen: ‚Hosianna! Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt! Er ist der König Israels!‘ Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf… Die Jünger von Jesus verstanden das zunächst nicht… Die vielen Leute, die dabei gewesen waren, bezeugten: ‚Er hat den Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn von den Toten auferweckt!‘ Deshalb kam ihm ja auch die Volksmenge entgegen. Sie alle hatten gehört, dass er dieses Zeichen getan hatte. Aber die Pharisäer sagten zueinander: ‚Da merkt ihr, dass ihr nichts machen könnt. Alle Welt läuft ihm nach.‘“ (Johannes-Evangelium, Kapitel 12)

Liebe Leserinnen und Leser,

triumphale Einzüge sind noch heute eine große Sache. Fussballweltmeister*innen oder großen, meist monarchischen Persönlichkeiten wird diese Ehre zuteil. Doch die Ehre ist nicht ungeteilt  –  wie schon zu Jesu Zeiten: Manche stehen abseits und sind skeptisch, ablehnend oder gar feindselig gegenüber solchen Vorgängen. Bei Jesus ist auch noch etwas eher Befremdliches daran, denn er reitet nicht etwa auf einem edlen Pferd in die Stadt Jerusalem, sondern auf einem jungen Esel. Was muss das für ein Bild abgegeben haben: Ein erwachsener Mann auf solch einem kleinen, noch nicht ausgewachsenen Reittier, schaukelnd, die Füße auf dem Boden schleifend? Fast närrisch in den Augen mancher, Ärgernis erregend für andere. Es scheint ein Bild für das zu sein, was ihm in naher Zukunft geschehen wird: Er wird verlacht und verhöhnt von den einen, und von den anderen wütend beschimpft werden. Selbst die, die ihm jetzt zujubeln, werden sich am dunkelsten Tag, an dem alles zu Ende gehen wird, von ihm abwenden. Und die Jünger, die kaum verstehen, was beim Einzug in Jerusalem vor sich geht, werden ihn bald allein lassen, werden sich in alle Himmelsrichtungen versprengen; Einzug als steter Abstieg. Triumph und Niedergang liegen in der Welt so nahe. Personen des öffentlichen Lebens werden erst in den Himmel gehoben, dann mitunter schon beim kleinsten Vorkommnis, das nicht ins Bild passt, fallen gelassen, vom Sockel gestoßen. Jesus scheint es ähnlich zu gehen. Da kann man wohl nichts machen.

Aber dennoch wird dieser Einzug in anderer Weise in einen Triumph münden, als die Welt ahnt. Wir wissen: Der Weg führt Jesus hinauf ans Kreuz, wo all die Triumphe, die Siege, die Errungenschaften in der Welt zunichte werden. Am Kreuz werden sie als das entlarvt, was sie sind: Taten auf Kosten anderer allein zum Ruhm derer, die sie begangen haben. Schon beim Einzug auf dem jungen Esel deutet sich an, dass Jesus bei weltlichen Triumphen nicht mitmacht. Er handelt einzig und allein im Auftrag Gottes, seines Vaters. Jesus geht mit diesem Auftrag und der darin mitgegebenen Kraft hinauf ans Kreuz, wird dann hinunter genommen und ins Grab gelegt, und am dritten Tage wird er hinauf kommen zu einem völlig neuen Leben. Das ist ein völlig anderer Triumph als all diejenigen, die in der Welt zustande kommen könnten. Das ist der Triumph des Lebens über den Tod, der Triumph des Aufstiegs aller über den Erfolg der wenigen.

Wir erleben in diesen Tagen, dass immer mehr Menschen sich fragen, ob wir mit den Maßnahmen und Vorkehrungen tatsächlich die Pandemie bekämpfen können. Da kommt dann eine Politikerin vor die Kameras, wird demütig und entschuldigt sich bei der Bevölkerung für einen Fehler. Es ist eine Handlung, der viele großen Respekt zollen, zumal sie so selten im politischen Betrieb vorkommt. Hierin liegt vielleicht ein Triumph im Kleinen, im scheinbaren Scheitern. Nicht der Ruhm der großen Tat, sondern wohl eher die Zurücknahme eines Fehlers lässt die Tat erkennen, die sich noch der Verantwortung gegenüber einer anderen Macht und Kraft verdankt weiß.

Wir haben einander viel zu verzeihen, so sagte es im letzten Jahr ein anderer Politiker. Mit Jesus Christus, der auf einem Esel reitet, kommt die Fähigkeit zu uns, Geduld und die Möglichkeit zu verzeihen aufzubringen. Amen.

Pastor Jens Petersen

Andacht zum 21. März – Judika

Andacht zu Hiob 19,21-27 am Judika – 5. Sonntag in der Passionszeit

  • 21Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? 23Ach, dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, 24mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! 25Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. 26Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. 27Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Die Menschheit beschäftigt sich mit den Grundfragen nach der Leidfrage seit ewig. Sie versuchen die Antwort für „Warum Fragen“ zu finden: Warum muss ich leiden? Warum leiden die gerechten Menschen? Wie geht man mit den leidenden Menschen um? Verstehe ich Leiden als Strafe Gottes? Um eine Erklärung zu finden, erzählten sich Menschen Geschichten. Wenn jemanden etwas schlimmes wie eine Krankheit oder ein Unfall widerfuhr, haben sie dies als Strafe Gottes verstanden. Wenn einer krank wird, sagen sie der oder die muss etwas Böses getan haben, sonst würde Gott ihn/ihr nicht bestrafen. Einige Evangelikale Prediger erklären das Virus COVID 19 als Gottes Strafe.

Ähnlich ist Hiobsgeschichte. Hiob ist fertig mit der Welt und seinen Freunden und verzweifelt. Und an dieser Stelle setzt unser heutiger Predigttext ein. In der Geschichte wird erzählt, dass Hiob ein gerechter Mann war, aber er wurde bestraft. Er verlor alles und wurde krank. Indem sie Hiobsgeschichte erzählten, begriffen die Menschen, was sie eigentlich schon lange gewusst hatten, nämlich: dass das Leben nicht gerecht ist, weil es den Ehrlichen nicht immer gut geht oder den Bösen schlecht. Aber weil sie keine Erklärung dafür fanden, fuhren sie fort, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, denn das hatte sich bewährt. Manchmal konnten sie dadurch Gerechtigkeit herstellen. Und manchmal fühlte es sich einfach gut an, wenn man sich selber zu den Guten zählen und mit dem Finger auf andere zeigen konnte. Aber wie es in der Bibel (im Neutestament) erzählt wird, sind alle Menschen schuldig und gehören nicht zu den Guten. Darum schickte Gott seinen eigenen Sohn Jesus Christus, der ohne Schuld ist, als Erlöser. In ihm wurde Gott Mensch, um die Menschheit zu retten. Man nennte diesen Jesus Christus ein Lösegeld für die menschliche Sünden. Denn Opfer und Lösegeld kannten die Menschen, schon; diese Erklärung erschien ihnen vernünftig. Und sie erwarteten eine große Gerichtsverhandlung Gottes, zur Strafe und zur Belohnung an Orten, die sie Hölle und Himmel nannten.

Aber im Laufe der Zeit lernten die Christen, dass Gott von Beruf kein Gerechtigkeits-Prüfer ist, der Belastungsproben erfindet. Er ist auch keine Mafia, die das Lösegeld fordert.  Gott ist der Erlöser, bis es eines Tages das Böse nicht mehr geben wird. Unser Gott lehrt uns, was Achtung und Vergebung bedeuten.

Gott ist da nicht als Richter uns zu strafen, sondern uns zu befreien. Die Richter, die wir auf Erden haben sind für unser Zusammenleben, zu dem auch die Angeklagten zugehören. Unsere Aufgabe ist gegen alle Gewalt und Unterdrückungen zu kämpfen. Dafür müssen wir das Böse erkennen und beim Namen nennen. Wir müssen denen Schlimmes widerfährt beistehen, egal wer sie sind. Wir leiden mit den Leidenden, wenn wir nicht verstehen, warum sie leiden müssen. Wir müssen nicht die Armut, die Krankheit oder den Tod als Gottes Strafe erklären. Unsere Aufgabe ist den leidenden Menschen zu zuhören, damit sie in ihrer Verzweiflung nicht gegen eine Mauer des Schweigens rennen und sich von Menschen verurteilt finden, so als hätte Gott selbst sie verurteilt. Unser Gott ist weniger Richter und vielmehr Anwalt des Zusammenlebens der Menschheit.  Amen.

Rev. Dr. Benti, Ujulu Tesso

Psalm und Fürbitten am 5. Sonntag in der Passionszeit (21.3.2021)

Psalm 43, 1-5
1 Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! 2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, 4 dass ich hineingehe, zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. 5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Fürbittengebet

Gott, unsere Klagemauer, wir rufen zu dir, aber manchmal rennen wir auch gegen dich an.
Wir bitten dich für alle, die sich von dir verlassen fühlen, die keine Hilfe von dir erkennen können und an ihrem Elend zerbrechen. Gib dich ihnen tröstend zu erkennen und eile ihnen zu Hilfe.
Gott, unser Helfer, wir bitten dich für die grundlos Verfolgten, die Gehetzten und Atemlosen, die Unterdrückten und Gequälten.  Stelle ihnen Menschen an die Seite und Fürsprecher, die ihre Stimme erheben und Gerechtigkeit fordern. Nimm du dich ihrer Sache an.
Gott, du Anwalt des Lebens, wir bitten dich für die Menschen, die im Namen von Recht und Gesetz arbeiten, für Richter und Anwälte, Justizangestellte und Polizisten: Lass sie deine Gerechtigkeit nicht aus den Augen verlieren und schenke ihnen klares Urteilsvermögen. Stärke sie zu ihrem Tun und lass sie die Anerkennung erfahren, die sie verdienen.
Gott, der du unsere Herzen kennst, wir bitten dich für uns, dass wir in der Unterscheidung von Gut und Böse nicht den Splitter in den Augen der anderen suchen, sondern bei uns selbst anfangen. Du bist unser Vater, lass uns handeln, wie es den Kindern Gottes zukommt. Amen.