Ansprache und Andacht

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

in diesen ernsten Zeiten, in denen ein Virus das öffentliche Leben umkrempelt und nahezu zum Erliegen bringt, ist es wichtig, dass Christinnen und Christen sich dessen versichern, was ihr Herr und Bruder Jesus Christus für uns tut. Er kann uns mit dem erforderlichen Ernst, der nötigen Gelassenheit, der Disziplin und Vernunft versehen, die wir brauchen, um durch diese Krise zu kommen.

Christinnen und Christen brauchen die Gemeinschaft, den Austausch und besonders in schwierigen Situationen, in denen sich viele Sorgen machen und Angst haben ist das wichtig. Doch gerade dies ist uns jetzt nicht möglich. Wir müssen einsehen, dass die beste Form, unsere Gemeinschaft zu bewahren und zu fördern, gerade darin besteht, den direkten Kontakt zu meiden. Wir zeigen Haltung: Wir finden jetzt gerade in der Abwendung voneinander die größtmögliche und verantwortungsvolle Zuwendung, die wir einander geben können. In der Distanz erweisen wir einander das Engagement, das unsere gesamte Gesellschaft jetzt braucht, um die Gefahr zu überwinden.

Aber wie zeigen wir Zuwendung, wie erweisen wir einander das so wichtige Engagement? Dazu haben wir in der Kirche seit ihren Anfängen Texte und Lieder, die wir zusammen aber auch allein und dann im Wissen der Verbundenheit mit vielen anderen Gleichgesinnten wahrnehmen, auswendig hersagen oder –singen können. Wir sind aus der Entfernung miteinander verbunden und wissen uns in der Kraft des Heiligen Geistes miteinander vereint.

Dazu sind hier ein paar Texte aus der Bibel und ein Gebet gesammelt, die uns der Gemeinschaft, des Schutzes und der Gnade Gottes miteinander vergewissern mögen.

Seien Sie behütet und bleiben Sie verantwortungsvoll, fürsorglich und gesund.

Pastor Jens Petersen

Psalm 30, 2-13:

Ich preise dich, Herr; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen und lässest meine Feinde sich nicht über mich freuen.

Herr, mein Gott, als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund.

Herr, du hast mich von den toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten…

Lobsinget dem Herrn, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen!

Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade.

Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

Ich aber sprach, als es mir gut ging: Ich werde nimmermehr wanken.

Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt. Aber als du dein Antlitz verbargest, erschrak ich.

Zu dir, Herr, rief ich, und zum Herrn flehte ich:

Was nützt dir mein Blut, wenn ich zur Grube fahre? Wird dir auch der Staub danken und deine Treue verkündigen?

Herr, höre und sei mir gnädig! Herr, sei mein Helfer!

Du hast mir meine Klage verwandelt in Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet,

dass ich dir lobsinge und nicht stille werde. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Psalm 46, 2-12:

Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,

wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen…

Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Kommt her und schauet die Werke des Herrn, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet, der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.

Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! …

Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Evangelium nach Johannes, Kapitel 4, 43-54:

Als Jesus nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, die alles gesehen hatten, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn sie waren auch zum Fest gekommen.

Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum.

Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinem Sohn zu helfen; denn er war todkrank.

Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.

Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!

Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.

Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt.

Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber.

Da merkte der Vater, dass es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.

Liebe Leserinnen und Leser,

Jesus ist distanziert, nicht erreichbar für einen, der krank ist – jedenfalls in der Erzählung im vierten Kapitel des Johannesevangeliums. Der Kranke in Kapernaum, Jesus in Kana, der Kranke ganz unten, Jesus recht weit oben – landschaftlich-geographisch zumindest. Aber einen hat der Kranke, der sich um ihn kümmert, der einen weiten Weg auf sich nimmt, um Hilfe zu organisieren: hier den Vater.

Manch einer oder einem scheint Jesus auch heute, in schwerer Zeit, weit weg. Aber zu ihm machen sich Menschen auf den Weg im Auftrag und in Fürsprache und Fürsorge für einen anderen. Wir sehen heute, dass viele sich zusammentun und Menschen, die dringend Hilfe brauchen, einen Einkauf oder ein Apotheken-Präparat, unterstützen. Wir überbrücken für die, die uns jetzt brauchen, mit Gottes Hilfe Distanzen. Wir lassen uns helfen von denen, die uns Gott gesandt hat und das Notwendige besorgen, damit wir an einer Gemeinschaft genesen und wachsen, die mit Abstand fürsorglich und achtsam ist.

Gebet:

Gott, es sind schwere Zeiten, in denen wir zu dir beten; manche sagen, es seien die schwersten nach dem letzten großen Krieg. Viele sind in Sorge, viele sind ratlos, weil sie nicht wissen, worauf sie sich noch einstellen müssen, wo sich alles von einem Augenblick zum nächsten ändert.

Gib uns die Kraft, jetzt mit Abstand, in Respekt, Zurückhaltung und Annahme zusammenzustehen.

Gib uns die Rücksicht, mit dem, was wir von dir empfangen haben, anderen, den Schwachen und Hilfsbedürftigen beizustehen.

Gib uns die Besonnenheit, die uns daran hindert, nur an uns selbst und an die zu denken, die zu uns gehören.

Gib uns die Vernunft einzusehen, dass wir nur dann wohlbehalten durch die Krise kommen, wenn wir alle Verantwortung übernehmen, an die Schwächsten denken. Wir sind jetzt angewiesen auf deine Vernunft, die uns zeigt, dass wir nur voran kommen, wenn wir uns zurückhalten, dass der Blick und die Sorge für den anderen Menschen, den Nächsten, den Gott vor unsere Füße legt, jetzt der Blick ist, mit dem wir auf uns selbst schauen.

Gib uns die Aufmerksamkeit für unsere Mitmenschen, die daraus wächst, dass du zuerst aufmerksam auf uns geworden bist und uns hilfst.

Lass uns auf unseren Herrn und Bruder Jesus Christus schauen, der für uns gelitten hat, uns Lasten abgenommen und mit seiner Gnade und Milde beschenkt hat.

Amen