Andacht zum Sonntag, 14.2. – Estomihi

„Das ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.“ Jesaja, 58, 1-9

Liebe Leserinnen und Leser,
Fastenzeit – ein merkwürdiges Gefühl in diesem Jahr für alle, denen das wichtig ist, die dran denken. Wir müssen doch notgedrungen und kaum selbst gewählt auf so vieles verzichten, was uns gut, teuer, wichtig und lebensnotwendig ist. Jesaja spricht hier ein Wort Gottes, dem es nicht gefällt, wenn das Fasten einfach nur „so durchgezogen wird“, weil „man es halt machen muss“ und keine innere Beteiligung, kein Ernst dahintersteckt.

Worum geht es dann eigentlich für Gott beim Fasten? Hier wird es recht sozialkritisch. Fasten steht in dem Jesaja-Text mit dem Umgang in Zusammenhang, den die Menschen gegenüber anderen walten lassen. Haben wir bei diesen Temperaturen schon Menschen gesehen, die kein Obdach haben, die allein sind und von Tag zu Tag bei Eiseskälte sehen müssen, wie sie durchkommen? Wir haben ja immer recht viele Abwehrmechanismen, die gut funktionieren. „Ja, die sind doch selbst schuld. Niemand muss doch in unserer Gesellschaft auf der Straße leben.“ Daran ist ja ein Korn Wahrheit, und dennoch wendet Jesaja mit dem Wort Gottes, das er an uns richtet, unsere Perspektive: Wir sollen uns diese Menschen, denen es schlecht geht, nicht mit guten Argumenten vom Hals halten, sondern wir sollen sie als unser „Fleisch und Blut“ betrachten. Wir sind mit ihnen verbunden, die doch so ganz anders leben und denken als wir, denen es momentan sehr schlecht geht. Nachts fahren in den Innenstädten manche „Kältebusse“ umher, immer auf der Suche nach Menschen, die vom Kältetod bedroht sind. Freiwillige wollen etwas tun, sie fühlen sich mit den Obdachlosen verbunden. Sie wollen helfen, wollen ihnen nachgehen und die allergrößte Not für den Augenblick lindern.

Fasten hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun, die uns gilt. In diesem „uns“ sind auch die mit inbegriffen, die wir nicht sehen, nicht sehen oder wahrnehmen wollen oder nicht können. Die Gerechtigkeit, mit der wir unsere eigenen Interessen, auch unsere derzeitigen Frustrationen, unsere CoViD-19-Müdigkeit hintanstellen und auf andere aufmerksam werden, denen es schlecht geht, diese Gerechtigkeit führt einen neuen Tag herauf. Gott hat uns diesen Blick für die Gerechtigkeit gegeben. Er lässt uns tatkräftig dafür bei uns, nach unseren Kräften, handeln. Der neue Tag, den Gott heraufführt, ist schon angebrochen, wo wir aufeinander Acht geben, wo wir einander wahrnehmen und helfen, auch wenn das im Augenblick eingeschränkt möglich ist. Gott ermöglicht uns und macht uns bereit, die Gerechtigkeit, die wir haben erfahren können, anderen weiterzugeben. Wenn wir das miteinander schaffen und machen, wird‘s hell und wir alle werden mit Gottes Hilfe zusammenhalten. In dem, was wir für andere tun, wird die Stimme Gottes hörbar, die ein heilsames Wort spricht, die uns Kraft und Mut zuspricht.

Ich wünsche Ihnen und Euch, dass Gottes Gerechtigkeit berührt und motiviert, damit es unter uns und bei den anderen, die zu uns gehören gerecht werde.

Amen. Jens Petersen

Wer will und ein Evangelisches Gesangbuch zur Hand hat, singe Lied Nr. 420:

  1. Brich mit dem Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus.
  2. Such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied.
  3. Teil mit den Einsamen dein Haus, such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort.