Andacht zum Jahreswechsel 2020 – 2021

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

auch der Jahreswechsel findet – wie schon Weihnachten – unter erschwerten Bedingungen statt. Konnten viele schon nicht das Fest der Geburt Jesu mit allen ihren Lieben feiern, so müssen wir zu Silvester auch wieder weitgehend Verzicht leisten. Ausgelassene Feste mit Familie und Freunden sind nicht möglich.

Doch einer führt uns durch die schwere Zeit und lässt uns mit „guten Mächten“ verbunden bleiben, die uns Gemeinschaft auch mit Abstand, Zuwendung auch aus der Distanz erfahren lassen.

Dietrich Bonhoeffer schrieb 1944 zur Jahreswende ein Gedicht, das schnell vertont wurde und mittlerweile zu den bekanntesten Kirchenliedern zählt:

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“

Hier steht ein Mensch anderen gegenüber, die er anspricht. Er ist getrennt von ihnen, weiß nicht, wann und ob überhaupt er sie wiedersehen kann. Doch er fühlt sich gewiss inmitten von Kräften, die ihm Schutz und Trost geben. In diesem Schutz, in dieser Hut, fühlt er sich seinen Lieben inniglich verbunden. Nichts kann sie auseinanderbringen, obwohl sie nicht nahe beieinander sein können. Er ist bereit, in eine unbekannte Zukunft zu gehen, Veränderungen anzunehmen, obwohl er nicht weiß, was sie ihm bringen werden.

Gott, gib uns die Gewissheit, dass du mit deinen Kräften um uns bist, uns beschützt und stärkst, damit wir uns in dir mit unseren Lieben immer verbunden wissen. Lass uns Unbekanntes interessiert aufnehmen, auf Neues mutig zugehen und geduldig tragen können.

„Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach, Herr, gib unseren aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.“

Hier reiht sich der Singende oder Sprechende ein in die Gemeinschaft mit den anderen und steht Gott gegenüber und spricht ihn an. Er erinnert sich und uns alle daran, dass wir doch eigentlich längst in der Gnade und dem Heil Gottes stehen, so schlimm es auch um uns herum oder in uns selbst aussieht. Die letzte Zeit ist gewiss nicht einfach, eben kein Spaziergang, für uns gewesen. Nun ist die Rede von Veränderungen, die Impfstoffe bringen sollen, aber viele müssen die Schädigungen durch die letzten Monate erst noch beseitigen und sind damit ganz und gar beschäftigt. Lasten drücken weiter, da fällt es schwer, eine heile Zukunft zu sehen.

Gott, gib uns die Gewissheit, dass du uns dein Heil bringst, in dem wir auch jetzt schon längst stehen und gehen. Ändere unseren Blick durch deine Gaben und Kräfte, lass uns in deiner Gegenwart das Vergangene aus deiner Hand nehmen und uns ruhig, ohne Angst in die von dir heraufgeführte Zukunft miteinander gehen.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Hier scheinen auf einmal alle zu singen und zu sprechen. Einmütig, getröstet, ohne Schrecken, mit Gelassenheit und Zuversicht gehen sie in die Zeit. Sie können gemeinsam, mit der Hilfe Gottes, sich von der drückenden Vergangenheit weg einer Zukunft zuwenden, von der sie gewiss und zuversichtlich sind, dass sie sie gemeinsam mit Gott bewältigen. Gott stattet sie gemeinschaftlich mit einer Resilienz, einer Widerstandskraft, aus, die ihnen ermöglicht, an Gottes Gaben und Verheißungen festzuhalten, auch wenn sie sich einmal ganz verlassen fühlen. Sie singen sich, einander und anderen mit dieser von Gott gegebenen Widerstandskraft den Mut zu, dessen es bedarf, damit sie nach Gottes Willen einander beistehen, helfen und Geborgenheit geben – auch unter schwierigen Bedingungen.

Gott, gib uns Gewissheit und Gelassenheit, damit wir aus deiner Hand getrost und wohlgemut empfangen, was du uns zukommen lässt. Lass uns alle Tage nach deinem Versprechen leben, dass unsere Zeit ganz in deinen Händen steht. Gib uns feste Gemeinschaft, festes Vertrauen, unerschütterliche Zuversicht. Lass uns untereinander eine Liebe erfahren, die in diesen Zeiten Grenzen überwindet und sich öffnet für ungeahnte, schöne Möglichkeiten. Amen.

Pastor Jens Petersen