Andacht zum 21. März – Judika

Andacht zu Hiob 19,21-27 am Judika – 5. Sonntag in der Passionszeit

  • 21Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? 23Ach, dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, 24mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! 25Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. 26Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. 27Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Die Menschheit beschäftigt sich mit den Grundfragen nach der Leidfrage seit ewig. Sie versuchen die Antwort für „Warum Fragen“ zu finden: Warum muss ich leiden? Warum leiden die gerechten Menschen? Wie geht man mit den leidenden Menschen um? Verstehe ich Leiden als Strafe Gottes? Um eine Erklärung zu finden, erzählten sich Menschen Geschichten. Wenn jemanden etwas schlimmes wie eine Krankheit oder ein Unfall widerfuhr, haben sie dies als Strafe Gottes verstanden. Wenn einer krank wird, sagen sie der oder die muss etwas Böses getan haben, sonst würde Gott ihn/ihr nicht bestrafen. Einige Evangelikale Prediger erklären das Virus COVID 19 als Gottes Strafe.

Ähnlich ist Hiobsgeschichte. Hiob ist fertig mit der Welt und seinen Freunden und verzweifelt. Und an dieser Stelle setzt unser heutiger Predigttext ein. In der Geschichte wird erzählt, dass Hiob ein gerechter Mann war, aber er wurde bestraft. Er verlor alles und wurde krank. Indem sie Hiobsgeschichte erzählten, begriffen die Menschen, was sie eigentlich schon lange gewusst hatten, nämlich: dass das Leben nicht gerecht ist, weil es den Ehrlichen nicht immer gut geht oder den Bösen schlecht. Aber weil sie keine Erklärung dafür fanden, fuhren sie fort, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, denn das hatte sich bewährt. Manchmal konnten sie dadurch Gerechtigkeit herstellen. Und manchmal fühlte es sich einfach gut an, wenn man sich selber zu den Guten zählen und mit dem Finger auf andere zeigen konnte. Aber wie es in der Bibel (im Neutestament) erzählt wird, sind alle Menschen schuldig und gehören nicht zu den Guten. Darum schickte Gott seinen eigenen Sohn Jesus Christus, der ohne Schuld ist, als Erlöser. In ihm wurde Gott Mensch, um die Menschheit zu retten. Man nennte diesen Jesus Christus ein Lösegeld für die menschliche Sünden. Denn Opfer und Lösegeld kannten die Menschen, schon; diese Erklärung erschien ihnen vernünftig. Und sie erwarteten eine große Gerichtsverhandlung Gottes, zur Strafe und zur Belohnung an Orten, die sie Hölle und Himmel nannten.

Aber im Laufe der Zeit lernten die Christen, dass Gott von Beruf kein Gerechtigkeits-Prüfer ist, der Belastungsproben erfindet. Er ist auch keine Mafia, die das Lösegeld fordert.  Gott ist der Erlöser, bis es eines Tages das Böse nicht mehr geben wird. Unser Gott lehrt uns, was Achtung und Vergebung bedeuten.

Gott ist da nicht als Richter uns zu strafen, sondern uns zu befreien. Die Richter, die wir auf Erden haben sind für unser Zusammenleben, zu dem auch die Angeklagten zugehören. Unsere Aufgabe ist gegen alle Gewalt und Unterdrückungen zu kämpfen. Dafür müssen wir das Böse erkennen und beim Namen nennen. Wir müssen denen Schlimmes widerfährt beistehen, egal wer sie sind. Wir leiden mit den Leidenden, wenn wir nicht verstehen, warum sie leiden müssen. Wir müssen nicht die Armut, die Krankheit oder den Tod als Gottes Strafe erklären. Unsere Aufgabe ist den leidenden Menschen zu zuhören, damit sie in ihrer Verzweiflung nicht gegen eine Mauer des Schweigens rennen und sich von Menschen verurteilt finden, so als hätte Gott selbst sie verurteilt. Unser Gott ist weniger Richter und vielmehr Anwalt des Zusammenlebens der Menschheit.  Amen.

Rev. Dr. Benti, Ujulu Tesso

Psalm und Fürbitten am 5. Sonntag in der Passionszeit (21.3.2021)

Psalm 43, 1-5
1 Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! 2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, 4 dass ich hineingehe, zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. 5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Fürbittengebet

Gott, unsere Klagemauer, wir rufen zu dir, aber manchmal rennen wir auch gegen dich an.
Wir bitten dich für alle, die sich von dir verlassen fühlen, die keine Hilfe von dir erkennen können und an ihrem Elend zerbrechen. Gib dich ihnen tröstend zu erkennen und eile ihnen zu Hilfe.
Gott, unser Helfer, wir bitten dich für die grundlos Verfolgten, die Gehetzten und Atemlosen, die Unterdrückten und Gequälten.  Stelle ihnen Menschen an die Seite und Fürsprecher, die ihre Stimme erheben und Gerechtigkeit fordern. Nimm du dich ihrer Sache an.
Gott, du Anwalt des Lebens, wir bitten dich für die Menschen, die im Namen von Recht und Gesetz arbeiten, für Richter und Anwälte, Justizangestellte und Polizisten: Lass sie deine Gerechtigkeit nicht aus den Augen verlieren und schenke ihnen klares Urteilsvermögen. Stärke sie zu ihrem Tun und lass sie die Anerkennung erfahren, die sie verdienen.
Gott, der du unsere Herzen kennst, wir bitten dich für uns, dass wir in der Unterscheidung von Gut und Böse nicht den Splitter in den Augen der anderen suchen, sondern bei uns selbst anfangen. Du bist unser Vater, lass uns handeln, wie es den Kindern Gottes zukommt. Amen.