Andacht Sonntag 24.1.

Bitte lesen Sie den Text im Buch Rut, Kapitel 1, Verse 1 bis 19.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer lässt sich heute schon darauf ein, den Weg einer anderen Person vorbehaltlos mitzugehen? Viele glauben ja, sie hätten ihren eigenen, sehr speziellen Weg – nach dem Motto „I did it my way“, „ich hab‘ es auf meine Art gemacht“. Sie lassen sich nicht gern hineinreden in ihr Leben und meinen unabhängig von allen äußeren Einflüssen zu sein. Andere wiederum fühlen sich erst stark und auf dem „richtigen“ Weg, wenn sie mit anderen unterwegs sind, die ähnlich denken, ähnliche Meinungen vertreten wie sie selbst. Sie werden mit einer großen Gruppe mitgezogen.

In der Pandemie geht beides teilweise zusammen. Einige leugnen beispielsweise die Krankheit oder zumindest ihre Gefahr, und sie organisieren sich in größeren Protestgruppen, machen sich auf den Weg, gehen gleichsam ihren eigenen Weg und wollen nicht mehr glauben, was alle anderen glauben, fühlen sich als die einzigen, die alles durchschaut haben, auch wenn das alles mit Vernunft, Logik, Einsicht oder Erkenntnis nichts mehr zu tun hat.

Rut und Noomi, ihre Schwiegermutter, sind in einer höchst schwierigen Lage. Sie können in dem Land Moab, in dem sie gelebt haben, nicht mehr bleiben. Noomi entschließt sich, in ihr früheres Heimatland Juda zurückzukehren und dort ihren Alterssitz zu nehmen. Rut aus Moab entscheidet äußerst selbstsicher und konsequent, mit Noomi in das für sie fremde Land Juda mitzugehen. Sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie schließt sich mit Zuversicht der Schwiegermutter an. „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Es klingt wie ein Gelöbnis, was Rut hier zu Noomi spricht. Und in der Gewissheit, mit der Rut das sagt, schwingt mehr mit als das bloße, große Vertrauen zu ihrer Schwiegermutter. Hier klingt die Verbindung zu dem Gott an, zu dem Noomi sich hält und betet. Ruts Entscheidung, in einem fremden Land neu anzufangen, ist im Grunde eine Bekehrungsgeschichte. Sie lässt sich dank ihrer Schwiegermutter auf den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ein. Rut läuft also nicht blind irgendeinem Menschen und seinen womöglich schrägen Ideen oder krummen Wegen hinterher. Rut findet zu Gott, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Gerade auf diesem Weg findet sie aus der Finsternis hinaus zum Licht und zu einem neuen Leben. Sie vertraut also eigentlich zuerst diesem für sie neuen Gott. Gott selbst lässt sie Vertrauen bei ihrer Schwiegermutter Noomi finden.

Rut, von äußerer Not getrieben, von einer großen Zuversicht gelenkt, von ihrem neuen, treuen Gott geleitet, lässt sich nicht auf schräge Wege ein. Sie lässt sich nicht ver-führen auf Wege, die vielleicht in den Abgrund führen könnten. – Man könnte ja mitunter den Eindruck gewinnen, dass diejenigen, die ihren ganz eigenen Weg gehen wollen in der Pandemie, oder die, die sich in einer Gruppe der vermeintlich Erleuchteten oder einfach im Recht wähnen, sich im Grunde gar nicht bewegen; sie sind ja schon längst bei der Wahrheit angekommen, die die vielen anderen nur noch nicht verstanden haben, so ihr Wahn. Wer sich jedoch – mit Gott und den von ihm gesandten Menschen – auf einen Weg begibt, die vermeintlich sicheren Erkenntnisse, die festen Urteile, die unabweisbar richtigen Einsichten verlässt, wer merkt, dass gerade solche Erkenntnisse, Urteile und Einsichten ins Verderben führen, der sieht ein, dass Leben nur im Aufbruch und sich Einlassen auf Neues zu finden ist.

Viele sprechen bereits davon, dass sich unsere Gesellschaft durch die Pandemie verändert und auch weiterhin verändern wird. Wir brechen gerade in Vielem auf zu etwas Neuem, vieles Gewohnte und Liebgewonnene bricht auf oder bricht sogar ab, und viele fragen sich, woran sie sich halten können. Gott bereitet uns den Weg. Er reißt uns nicht nur heraus, sondern er führt uns auch zur neuen Normalität, einer neuen Gemeinschaft mit den Altvertrauten. Rut findet übrigens in ihrer neuen Heimat Juda sogar die Liebe ihres Lebens. Gott wird uns vor den Abwegen der Verschwörungstheorien und der Scharlatane bewahren und uns in Gemeinschaften führen, in denen wir die Energie und Beweglichkeit des Lebens mit Neugier und Mut an uns erfahren.

            Amen. Pastor Jens Petersen

Wenn Sie ein Evangelisches Gesangbuch zur Hand haben, so können Sie Lied Nr. 395 singen.

Gottes Segen für Sie. Bleiben Sie gesund und behütet.