Andacht für Sonntag, 7. Februar 2021

Lasst nicht nach in eurem Eifer. Lasst euch vom Geist anstecken und dient dem Herrn. Freut euch, dass ihr Hoffnung habt. Bleibt standhaft, wenn ihr leiden müsst. Hört nicht auf zu beten. Römer 12, 11-12

„Hoffnung ist gefährlich“, sagte eine gute Freundin einmal zu mir. „Manchmal hofft man ganz lange auf etwas und wartet geduldig, statt den Tatsachen ins Auge zu sehen. Und am Ende hat man umsonst gehofft.“  Die Hoffnung, von der sie sprach, klang brav. Diese Hoffnung sitzt zuhause, trinkt Tee, strickt vielleicht, und wartet ab, dass etwas passiert. Das ist die normale Hoffnung. Aber sie hat eine christliche Schwester. Und die ist so gar nicht passiv, sondern ziemlich wild und beinah trotzig.

„Hoffnung ist der Widerstand gegen Resignation, Mutlosigkeit und Zynismus. Sie stellt nicht nur fest, was ist. Sie ist eine wundervolle untreue Buchhalterin, die die Bilanzen fälscht und einen guten Ausgang des Lebens behauptet, wo dieser noch nicht abzusehen ist.“ schreibt Fulbert Steffensky. Diese Hoffnung ist phantasievoll, sieht Möglichkeiten, wo alle „unmöglich“ sagen. Sie guckt über so manches Problem hinweg und zeigt nach vorne und guckt nach oben. Sie ist eher Pipi Langstrumpf, als deren Freundin Annika. Sie ist Abraham, der in den Sternenhimmel guckt und sie bewegt Jüngerinnen und Jünger dazu, in ein anderes Leben aufzubrechen. Die christliche Hoffnung beschwichtigt nicht und macht nicht passiv, obwohl ihr das im Lauf der Geschichte mehrfach vorgeworfen wurde.

Hoffnung hat gerade Hochkonjunktur. So vieles ist ungewiss in dieser Krisenzeit. Wir wissen nicht, wann sie vorbei ist und was wir bis dahin noch entbehren müssen. Wir ‚zappeln unruhig vor Erwartung‘, wir ‚hüpfen‘ – daher kommt nämlich unser deutsches Wort Hoffnung. Und somit ist es kein Wunder, dass man Hoffen nicht durch Stillsitzen lernt. „Hoffen lernt man auch dadurch, dass man handelt, als sei Rettung möglich. Hoffnung garantiert keinen guten Ausgang der Dinge. Hoffen heißt darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist, was wir tun.“ schreibt Steffensky weiter.

In Zeiten von Corona malt die Hoffnung Regenbögen ins Fenster. Sie hilft dem älteren Nachbarn beim Einkaufen. Sie hält Abstand, geht achtsam mit sich und anderen um. Die Hoffnung krempelt die Arme hoch und schafft sich frohe Momente im Ausnahmezustand. Sie betet auch nach vielen Wochen und Monaten noch für die, die krank sind, die, die helfen und die, die einsam sind.

Ja, Hoffnung ist tatsächlich ganz schön gefährlich – sie lässt nicht zu, dass man einfach aufgibt.

Pastorin Hanna Jacobs

Lied: Seid fröhlich in der Hoffnung (Zeichen der Liebe)
https://www.youtube.com/watch?v=VVuXzfQhb8c

Lied: Seid fröhlich in der Hoffnung, /beharrlich im Gebet / standhaft in aller Bedrängnis. / Macht einander Mut, ladet gerne Gäste ein. / Zeigt es allen, dass Jesus sie liebt.
Leben wird ein Zeichen der Hoffnung sein,/ der Hoffnung für diese Welt. / Weil Jesus vom Tod auferstanden ist, / und sie in den Händen hält!
Helfen wird ein Zeichen der Liebe sein,/ der Liebe zu dieser Welt. / Um Boten in Worten und Taten zu sein, / hat Jesus uns auserwählt!