Andacht für den 3. Mai

2. Korinther 4, 14 -18
14: Denn wir wissen, dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch vor sich stellen wird.
15: Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen zur Verherrlichung Gottes.
16: Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert.
17: Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit,
18: uns, die wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare blicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.

Der Bibeltext liest sich nicht so leicht in Corona-Zeiten. „Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit“: Wer fühlt sich so? Schulen, Kindergärten, Altenheime sind gesperrt. Menschliche Nähe scheint unerwünscht. Natürlich – jeder weiß um die Infektionsgefahr. Wer erwachsen und gesund ist, versteht das schon. Aber wer erklärt kleinen Kindern, dass der schöne Spielplatz gesperrt ist und die Freunde aus dem Kindergarten irgendwie gefährlich sind – jedenfalls darf man nicht mit ihnen spielen und fröhlich sein. Für alte Menschen bedeutet das Abstandhalten Kontaktverlust zu den Kindern, den Enkeln. Ja, und auch der freie Wille alter Menschen wird nicht geachtet. Vielleicht wollen sie gar nicht so geschützt werden und lieber Kinder und Enkel sehen.
Und die Wirtschaft! Vielen Menschen bricht die Existenz weg. Wer gestern noch ein ordentliches Einkommen hatte, ist vielleicht bald pleite, weil das Geschäft geschlossen ist und kein Geld verdient werden kann. Die Kosten bleiben aber. Kein Staat der Welt kann diese Unkosten abfangen. Es bleibt nur, das Schlimmste zu verhindern.
16: „Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert“. Vielleicht schenkt uns Gott doch etwas – mitten in der Krise. Auf einmal geht es nicht mehr nur um Erfolg, Karriere, die vielen Wünsche im Alltag, die unseren äußeren Menschen so beschäftigen. Es wird deutlicher, was das Leben eigentlich ausmacht, worauf nicht verzichtet werden kann: Familie, Freunde, ja, auch die Nachbarn, die im Alltag kaum eine Rolle spielen, werden wichtig. Vielleicht brauchen sie Hilfe? Vielleicht können sie helfen? Das Leben kann trotz der schweren Krise und dem Abstand, der zueinander eingehalten werden muss, wärmer und menschlicher werden. Der äußere Mensch mit seinen Ansprüchen und Wünschen muss sich zurücknehmen. Damit ist nicht gesagt, dass Beruf, Geld verdienen oder sich einfach mal amüsieren unwichtig ist, ganz im Gegenteil. Aber der äußere Mensch bezieht seine Kraft aus dem Kern des Lebens: Liebe, Bindungen, Glaube. Die Krise hat die Welt, in der wir leben, leiser gemacht und entschleunigt. Vielleicht gelingt es gerade dadurch, die wirklich wichtigen Dinge klarer wahrzunehmen. Und mitten in der Krise Freude an dem zu haben, was Gott jeden Tag schenkt: Die Liebe in Familie und Freundschaft, den Frühling, die Hilfsbereitschaft untereinander, die jetzt in der Krise so präsent ist. Und das andere? Die Arbeit, das normale Leben? Lasst uns Gott bitten, dass das bald wieder sein kann. Und dass wir darüber nicht vergessen, was wirklich wichtig ist.

Prädikantin Irmgard Schulz