Andacht – 3.1.2021

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

Kinder und Jugendliche, auch junge Erwachsene, sind von der Pandemie in besonderer Weise betroffen. Schule, Freizeit, Freunde, Feiern, das alles findet, wenn überhaupt, anders statt als gewohnt. Welche Auswirkungen die Einschränkungen auf die Entwicklung von Kindern, auf das Leben junger Erwachsener haben, lässt sich noch schwer absehen. Manche kommen recht gut durch diese Zeit, anderen ist anzusehen, dass sie sich schwer damit tun.

Manche Kinder aber entwickeln Ideen, die anderen helfen sollen, und setzen sie um. Sie entfalten Kräfte, die viele ihnen nicht zugetraut hätten. Sie können sogar noch andere von ihren Ideen überzeugen und zum Mitmachen animieren.

In schwierigen Zeiten Neues zu ersinnen und etwas Sinnvolles zu machen, ist nicht so einfach. Es bedarf einer inneren Überzeugung, eines Beharrungsvermögens und einer Durchsetzungskraft, die manche vielleicht vor den Kopf stößt. Der zwölfjährige Jesus im Tempel, wie der Evangelist Lukas ihn darstellt, geht schon seinen eigenen Weg, hat seinen eigenen Kopf. Wir, die wir diese Erzählung aus dem 2. Kapitel des Evangeliums (Verse 41 bis 52) lesen, wissen, dass der Weg, das Sinnen und Trachten des jungen Jesus nicht von ihm selbst gesteuert sind, sondern voll und ganz auf Gottes Weisung zurückgehen. Schwierig für die Eltern, Maria und Josef, seinen Ziehvater. Sie müssen begreifen: Sie haben nicht mehr denselben Weg wie Jesus. Er geht, ohne es mit den Eltern abzusprechen, einfach in den Jerusalemer Tempel und diskutiert dort mit den Gelehrten über die Auslegung der Heiligen Schriften. Als die Eltern ihn endlich nach drei Tagen finden, kommt es zu einem denkwürdigen Gespräch, bei dem Jesus ihnen erklärt, dass er seinem Vater nahe sein müsse. Ein Schock für die Eltern: Jesus setzt sich klar von ihnen ab. Der Weg Jesu führt zunächst zu seinem Vater, dann doch – versöhnliches Ende der Erzählung – zu seinen Eltern nach Nazareth und schließlich zu den Menschen, zu denen er durch den Vater im Himmel gesandt ist. Dieser Weg soll die Menschen von Mühen und Lasten befreien und sie für das öffnen, was ihnen wirklich hilft und wirklich wichtig ist für sie.

Um in schwierigen Zeiten nicht den Kopf hängen zu lassen, auf Hilfreiches und Veränderndes zu kommen, müssen Menschen die eingefahrenen Wege verlassen. Wir müssen uns mitunter von unseren Lieben entfernen, distanzieren, damit wir hinterher umso liebevoller, umso zuversichtlicher auf sie zu gehen können. Erst in einer gewissen Abgeschiedenheit, wenn wir gleichsam Einkehr mit uns selbst und Gott halten, kommen wir auf neue, erlösende Gedanken. Dann stellen wir manchmal auch die Gemeinschaft, die uns so wichtig ist, auf neue Füße.

Gehen wir mit Jesus in eine neue Zeit. Lassen wir uns von ihm den Weg in eine neue, liebevolle, unterstützende, trostvolle Gemeinschaft zeigen, in der wir Nähe erleben, aber auch Distanz erlauben und als fruchtbringend begrüßen.          Amen

Wenn Sie mögen, können Sie folgende Lieder aus dem Gesangbuch singen:

Von guten Mächten treu und still umgeben – Evangelisches Gesangbuch, Nr. 65

O du fröhliche – Evangelisches Gesangbuch, Nr. 44

Pastor Jens Petersen